Sind Silicon-Valley-Unternehmen nun „profitabel“ oder nicht?

Zu den großen Mysterien des Silicon Valley zählt für Deutsche die Profitabilität von Start-Ups und Unternehmen. „Wie machen die das nur, dass sie so viel Geld verlieren und immer noch nicht Pleite sind?“ und „Wir können es uns jedenfalls nicht leisten, immer nur Geld zu verlieren. “ und „Wir müssen kaufmännisch denken.“

Wie ist das jetzt also mit der Profitabilität im Silicon Valley? Stimmt das, dass die Welt hier anders ist und Unternehmen nicht gewinnorientiert arbeiten müssen?

Natürlich stimmt das nicht. Irgendwann muss jedes Unternehmen, das auf Dauer existieren will, Geld machen. Entweder macht man Geld indem Kunden für die Produkte und Dienstleistungen bezahlen, oder man macht Geld durch Werbeanzeigen. Aber nicht in jeder Phase, und das aus bestimmten Gründen.

Silicon Valley

Das Silicon Valley ist die Region in Kalifornien zwischen San Francisco und San Jose, mit einer Luftlinie von weniger als 100 Kilometern. Dort leben nicht nur 3,5 Millionen Menschen, sondern sind auch zu jedem Zeitpunkt geschätzte 60.000 Start-Ups tätig, davon 30.000 Technologiestart-Ups. Davon überleben die meisten nicht das erste Jahr, kein Wunder also, dass wir von denen nie etwas gehört haben. Das sind alles Start-Ups, die nie Risikokapital aufstellen konnten oder ausreichend Geld verdienten, um weiterzumachen. Weiterlesen Sind Silicon-Valley-Unternehmen nun „profitabel“ oder nicht?

Clayton Christensens drei Arten von Innovation

In seinem mittlerweile als Innovationsbibel gehandelten Buch The Innovators Dilemma hat Harvard-Professor Clayton Christensen in den 1990er Jahren zum ersten Mal die Gründe analysiert, warum etablierte Unternehmen Innovationskraft verlieren und von Neueinsteigern überrumpelt werden. Tatsächlich stellte er fest, dass zwischen 50 und 80 Prozent der führenden Unternehmen einer Generation in der einer Disruption folgenden Generation nicht mehr unter den Top 10 Unternehmen sind.

Arbeitsplatzverluste in einer Wirtschaftskrise
Arbeitsplatzgewinne nach einer Wirtschaftskrise

Seine jüngsten Forschungen haben Clayton Christensens Fokus auf Wirtschaftskrisen und Arbeitsplatzverluste gebracht. Dabei studierte er die zehn vergangenen Wirtschaftskrisen beginnend beim Jahr 1948 bis zur letzten 2008 und wie lange es dauert bis die Wirtschaftskennzahlen und Beschäftigtenzahlen wieder auf dem Niveau vor der Krise sind. Die Arbeitsplatzverluste der sieben Wirtschaftskrisen von 1948 bis 1981 brauchten im Durchschnitt sechs Monate um wieder wett gemacht zu werden. Das heißt nach einem halben Jahr befanden sich die Beschäftigungszahlen wieder auf dem Niveau vor der Wirtschaftskrise.

Das änderte sich aber ab 1990. In dieser Wirtschaftskrise dauerte es 15 Monate um auf denselben Stand der Beschäftigung zurückzukehren. 2001 waren es dann schon 39 Monate. Und als er im Jahr 2013 den Vortrag hielt der im Video unten festgehalten ist, waren bereits fast 70 Monate seit dem Beginn der Wirtschaftskrise von 2008 vergangenen, ohne dass die Beschäftigtenzahlen den Vorkrisenstand erreicht hatten.

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Masterarbeit: Analyse des Venture Capital Einsatzes USA vs Deutschland

Anhand von 14 Interviews mit Experten, VCs und Journalisten zu Start-ups und Silicon Valley vergleicht Florian Fritzsche den Einsatz von Venturekapital für Start-ups in Deutschland und den USA.

Titel

Analyse des Venture Capital Einsatzes im Kontext der Start-up Finanzierung in Deutschland und den USA – eine Expertenbefragung im Silicon Valley

Autor

Florian Fritzsche, Lehrstuhl für Entrepreneurship am Institut für Füge- und Schweißtechnik, TU Braunschweig

Abstrakt

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Innovation: Jobkiller oder nicht?

Um es gleich vorwegzunehmen: ja, Innovation vernichtet Arbeitsplätze. Selbstfahrende Autos werden Taxi- und Lastwagenfahrer überflüssig machen. Roboter werden viele Berufe übernehmen, die heute von Menschen gemacht werden, und Roboter werden sie schneller und besser machen.

Der amerikanische Radiosender NPR hat basierend auf Daten der Oxford-Universität einen Online-Rechner bereit gestellt, der zeigt mit welcher Wahrscheinlichkeit der eigene Job gefährdet ist. Neben den bereits erwähnten Chauffeurberufen sind ebenso (und doch nicht so überraschend) hochqualifizierte Berufe wie Steuerberater oder Flugzeugmechaniker von der Automatisierung betroffen. Alle Aufgaben die irgendwie repetitive sind werden früher oder später von Maschinen übernommen werden können.

Und das sollte nicht überraschend kommen, verschwanden doch bereits in der Vergangenheit viele Berufsfelder oder wurden durch Maschinen ersetzt. Man erinnere sich nur an dieselbe Diskussion zu Computern vor 20 oder 30 Jahren. Was tatsächlich passierte ist dass viele neue Berufszweige geschaffen wurden. Irgendjemand musst Computer bauen, programmieren, warten, und bedienen. Und es entstanden dank Computertechnologie neue Möglichkeiten in anderen Berufszweigen, die neue Qualifikationen erforderten. Weiterlesen Innovation: Jobkiller oder nicht?

Deutsche Leadership-Angst, Technologieverliebtheit und fehlendes Benchmarking

Welche Hauptunterschiede sieht Dirk Kanngießer, Geschäftsführer des German Accelerators hinsichtlich der Erwartungen und der Mentalität zwischen deutschen Unternehmen und dem Silicon Valley? Im zweiten Teil eines längeren Gesprächs äußert er sich über Start-ups, den Mittelstand und die zukünftige Entwicklung.

Start­ups

Start-up-Gründer haben nach Dirks Meinung in Deutschland zu wenig Möglichkeiten, sich mit Sparringpartner zu profilieren und entsprechende Benchmarks zu entwickeln. Im Silicon Valley seien Gründer so stark selbst ein Teil des Ökosystems, dass sie hier das erste Mal in die Lage versetzt werden, den eigenen Markt so richtig tief zu durchdringen. Es reiche nicht, eine Fünf-Millionen-Firma in fünf Jahren aus dem Boden zu stampfen und sich mit einem Marktanteil von einem halben Prozentpunkt zufriedenzugeben. Hier werde man gezwungen, größer und schneller zu denken und mehr zu wagen. Eine sinnvolle Marktdefinition lerne man das erste Mal hier und nicht in Deutschland, wo man eher in seinen Markt und die ersten Kunden reinstolpert. Auch stellten Gründer schnell fest, dass sich hier schon andere Marktteilnehmer und ähnliche Start-ups um dasselbe Thema kümmern. In Deutschland haben viele Start-ups gute Idee, aber sie denken, dass sie damit ganz alleine sind. Dann überzeugen sie ihr Ökosystem von der Einzigartigkeit der Idee. Ganz im Gegensatz zum Silicon Valley, wo man nicht an Einzigartigkeit glaube, dafür aber an den großen Markt und das Denken im großen Maßstab und dass man möglichst schnell den Markt besetzen muss. Weiterlesen Deutsche Leadership-Angst, Technologieverliebtheit und fehlendes Benchmarking

Innovation floriert gerade wegen Einschränkungen und begrenzten Ressourcen

Der Aufsichtsratsvorsitzende eines deutschen Internetunternehmens fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. Auf Besuch im Silicon Valley verfolgte er unsere Präsentationen zu den Mentalitätsunterschieden zwischen Silicon Valley und Deutschland und wand sich dabei auf seinem Stuhl. Den ganzen Vortrag über konnten er und seine Manager sich nicht zurückhalten und kommentierten unsere Ausführungen mit Sätzen wie: „Also, mit so einem Vertragswerk aus den USA werden wir in Deutschland nicht weiterkommen.“, „Die Qualität aus USA kann man aber eintüten.“, „Schön und gut, aber das wird beim Betriebsrat nicht durchgehen.“

Die zehnköpfige Gruppe war zu einer einwöchigen Tour zu Besuch, um besser zu verstehen, was das Silicon Valley anders macht, das deutsche Unternehmen alt aussehen lässt, und was man daraus auf europäische Verhältnisse übertragen könnte. Stattdessen fühlte sich die Gruppe bemüßigt, Deutschland verteidigen zu müssen. Einerseits war man zu Recht stolz, dass das deutsche Ingenieurwesen mit seinen Produkten nach wie vor Weltmarktführer war, andererseits war man sich schmerzhaft bewusst, dass viele der neuesten Innovationen vorwiegend aus dieser Region an der US-Westküste zu kommen schienen. Weiterlesen Innovation floriert gerade wegen Einschränkungen und begrenzten Ressourcen

Porträt Dirk Kanngiesser vom German Accelerator

Dirk sieht wirklich müde aus bei unserem Skype-Gespräch. Kein Wunder, er ist in Deutschland und dort ist es fast Mitternacht, als ich ihn nach einem Tag voller Behördentermine, Familienangelegenheiten und einem verspateten Flug endlich erreiche. Der gebürtige Dortmunder aus einer Kleinunterneh- merfamilie hat als Gründer und Geschäftsführer des German Accelerator einiges zu tun.

Nach dem Gymnasium studierte er zuerst Elektrotechnik und arbeitete bei Siemens in München mit dem Ziel, Berufserfahrung für den späteren Einstieg ins Familienunternehmen zu sammeln. Davon kam er aber schnell ab. Er bewarb sich an der University of Michigan in Ann Harbor zu einem MBA-Studium, das Deutschen offenstand. Als Ingenieur fand er all die Praxisanwendungen, wie sie in MBA-Programmen gang und gäbe sind, faszinierend.
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China: Ist es unethisch, wenn Deutsche Unternehmen dort produzieren?

Das Internet der Dinge (IoT) hat die Nachfrage nach Elektronik neu beflügelt. Es gibt einen regelrechten Boom an IoT-Startups. In einem Gespräch vor einiger Zeit mit einer Flextronics-Mitarbeiterin, die in der Leitung des firmeninternen Akzeleratorprogramms arbeitet, zeigte sie mir eine Übersicht an IoT-Startups im Silicon Valley, die sie neun Monate vorher zusammengestellt hatte. In der Liste waren 100 Startups aufgezählt. Zwischenzeitlich erhöhte sich Zahl auf über 900.

Es gibt mehrere Gründe warum es zu solch einem Boom gekommen ist. Zuerst mal ist die Herstellung von leistungsfähiger Elektronik für kapitalarme Startups erschwinglicher geworden. Ebenso sind plötzlich Sensoren jeder Art verfügbar, mit denen neue Daten gesammelt und für verschiedenste Anwendungszwecke eingesetzt werden können. Große Datenmengen können dank leistungsfähiger und günstiger Rechner gut und rasch verarbeitet werden, um Sinn aus den Daten zu machen. Und Dank der weit verbreiteten Smartphones und WLANs kann das elektronische Gerät auch rasch mit diesen verbunden werden.

Ein österreichischer Startup-Gründer zeigte mir kürzlich sein Produkt, das er auf den Markt bringen wollte. Während er es mir vorführte bemerkte er auch mit Bestimmtheit, dass es er aus ethischen Gründen in Europa fertigen lassen will. Das ist zwar löblich, aber nicht unbedingt der weiseste Weg. Nicht immer ist eine Fertigung in Europa automatisch ethischer, gerechter, oder schafft Arbeitsplätze. Die Kosten können so orbitant werden, dass das eigene Startup nie über einen Prototypen rauskommt oder das Produkt potenziellen Kunden einfach zu teuer wird.

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Tesla macht Verlust – und warum das momentan gut ist

„Aber Tesla macht doch keinen Gewinn. Gerade haben sie massive Verluste bekannt gegeben!“ Das süffisante Grinsen des Managers einer deutschen Firma weicht rasch dem ungläubigen Staunen „Und trotzdem stieg der Börsenkurs und ist auf hohem Niveau, das verstehe mal einer.“

Es stimmt, Tesla verliert Mitte 2015 pro verkauftem Model S an die 4000 Dollar, wie eine Reuters-Schlagzeile berichtete. In normalen Unternehmen würde das sofort zu radikalen Sparmaßnahmen, einer Umstrukturierung, Entlassungen oder vielleicht gar der Einstellung der verlustbringenden Sparte folgen. Tesla ist aber kein normales Unternehmen, das Produkt ebenso nicht, und der Automobilmarkt steht vor einem dramatischen Umbruch. Deshalb treten andere Regeln in Kraft, die außerhalb des Silicon Valley nur schwer verständlich sind.

Deutsche Startups die über das German Accelerator-Programm des Wirtschaftsministeriums (bei dem ich einer der Mentoren bin) für drei Monate nach Palo Alto kommen, berichten bei ihren Präsentationen oft stolz dass sie bereits profitabel sind. Für die hiesigen Investoren ist das ein schlechtes Zeichen. Das bedeutet, dass das Startup nicht genug Aufwand treibt um das Unternehmen zu vergrößern und den Markt zu besetzen bevor mögliche Mitbewerber eintreten und den Markt streitig machen.

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Wie kann die Regierung eine Startupkultur fördern?

Welche konkreten Maßnahmen gibt es, die Regierung und Behörden eines Landes vornehmen können, um eine Startupkultur zu fördern? In diesem Beitrag schauen wir uns einige Vorschläge an und verweisen auch auf den Volkswagenskandal, der einer Startupkultur in Deutschland gewaltigen Anschub geben könnte.

Zuerst einmal gibt es einige offensichtliche und bereits oft erwähnte Maßnahmen:

  • mach es einfach ein Unternehmen zu gründen
    (online, keine oder niedrige Gebühren, Ausschaltung von aufgezwungenen Zwischenverdienern wie Notaren oder Rechtsanwältem, niedrige oder keine Stammkapitalanforderungen)
  • Steuerbefreiungen für Startups und Investoren
  • ein Insolvenzgesetz das einen gescheiterten Startupgründer nicht auf Jahre hinaus zu einem rechtlichen Außenseiter macht, sondern einen raschen Neustart erlaubt
    (Hinweis: Scheitern ist eine Grundvoraussetzung fürs Lernen; Gehen lernen ist von oftmaligem Hinfallen begleitet)
  • Schaffe ein Programm mit dem vielversprechende Startups in Silicon Valley Akzeleratoren und ähnliche Innovationsregionen reinschnuppern können, ohne dabei den Ausverkauf an das Ausland zu befürchten; tatsächlich haben andere Länder (Israel, Ungarn) vorgezeigt, dass Startups die erfolgreich in USA sind dem Heimatstandort auch dienen, indem die R&D-Niederlassung daheim auch mitwächst

Und dann gibt es einige weniger offensichtliche Maßnahmen, die auch immense Breitenwirkung haben können.

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