Der Silicon-Valley-Kanzler

Erst ein paar Stunden im Amt als österreichischer Bundeskanzler ging Christian Kern in seiner Regierungserklärung auf das Programm und seine Ziele ein. Sehr erfreulich war dabei, dass er in seiner Vision das Silicon Valley und den Apple-Gründer Steve Jobs erwähnte.

Ende März besuchte er – damals noch als ÖBB-Chef – gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen eine Woche lang das Silicon Valley um Inspiration und Ideen zu erhalten. Gekommen war er mit dem Wissen, dass die ÖBB gut dastanden, und sie gute Schritte gesetzt hatten. Doch es schwante ihm, dass diese Schritte in Zukunft wohl nicht ausreichen würden und sie größere nehmen müssten. Nun ja, das Endergebnis war, dass sie zur Überzeugung kamen sogar noch größere Schritte zu machen und noch schneller gehen sollten. Diesen Eindruck hatten sie bereits nach der ersten Hälfte des Besuchs erhalten, als ich mich mit ihnen beim Abendessen im Roka Akor in San Francisco traf.

Und dazu muss ich offenlegen, dass ich ein Eisenbahnerkind bin und vermutlich mehr Eisenbahn im Blut habe, als der gesamte Vorstand. Mein Vater verbrachte 40 Jahre bei den ÖBB, und sowohl Groß- als auch Urgroßvater waren schon bei der Bahn.

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Der alte Kaiser der Arsch ODER Was ich mir vom neuen Bundeskanzler wünsche

Dieses Jahr „feiern“ wir den 100. Todestag vom alten Kaiser. Eher sollten wir gedenken, dass dank „unseres“ Kaisers eine jahrzehntelange Stagnation vorherrschte, die darin mündete, dass er der Kaiser uns in einen sinnlosen Krieg führte der dutzende Millionen an Menschenleben forderte und jahrelanges Elend brachte. Und einen weiteren, noch schlimmeren Krieg mit noch furchtbareren Folgen führte. Die gute alte Zeit unter gutem alten Kaiser war – Scheiße. Und die brachte uns noch mehr Scheiße. Nur weil er ein netter alter Herr war und die Sisi geheiratet hat, wird er nicht zum netten nostalgisch verklärten guten Menschen. Der alte Kaiser war ein Arschloch.

Wie werden im Jahr 2116 die Österreicher auf das Jahr 2016 schauen? Nun ja, wenn wir Bilanz ziehen aus den vergangenen 16 Jahren, dann sieht das ebenso Scheiße aus. Zuerst gab es Kärnten, eine Regierung und eine blinde Bankenaufsicht, die uns mit der Hypo Alpen Adria den bei weitem größten Skandal Österreichs mit einem Schaden von 19 Milliarden einbrockte. Wohlgemerkt, das ist mehr als alle anderen Skandale der zweiten Republik uns zusammen kosteten. Die Eurofighter-Anschaffung, das Blaulichtdisaster, und der Buwog-Verkauf sind da nur mehr das Obers auf dem Schlamassel. Und danach kam eine Regierung die nicht nur keinen Willen hatte diese Skandale ordnungsgemäß aufzuarbeiten, sondern ebenso mit Nichtstun glänzte wie damals der Kaiser.

Es ist dabei deprimierend zu sehen, wie sehr wir in Österreich in die Vergangenheit schauen, sie nostalgisch verklären, und einfach nix daraus lernen wollen. Sind wir deshalb so rückwärtsgewandt, weil wir Angst vor der Zukunft haben? Weil wir nichts Gutes in der Gegenwart sehen? Weil wir uns nichts erhoffen? Weil die heutige Politiker so völlig visionslos sind und nur der nächsten Umfrage nachlaufen?

Disruption

Die Welt ändert sich dramatisch. Wir werden überrollt mit digitalen Plattformen und neuen Geschäftsmodellen, die heimische Industrien und Wirtschaftszweige gefährden oder zumindest herausfordern. Facebook oder Twitter ändern wie effizient sich Menschen im Land organisieren können. Kickstarter oder Indiegogo gesetzliche Anpassungen für Investoren durch die Regierung notwendig. Uber zwingt die Taxibranche in die Knie und hinterfragt Gesetze. Google bestimmt, was wir in Suchergebnissen sehen, macht Bücher online zugänglich, kartiert und fotografiert unsere Straßen. Und ebenso Google, Tesla, Apple und Co zeigen gerade der Autoindustrie wo es lang geht.

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