Zwischen physischer Qualität und digitaler Notwendigkeit

Einige Vorträge und Workshops brachten mich den ganzen Mai nach Europa. Dabei „musste“ ich auch nach Frankreich und Mallorca. Während ich üblicherweise die Bahn oder bei längeren Strecken das Flugzeug verwende, hatte ich dieses Mal auch gleich dreimal einen Leihwagen. Zweimal einen Nissan Qashquai SUV, einmal einen luxuriösen Renault Talisman. Nicht, dass ich mir die bewusst ausgewählt hatte, das waren die Fahrzeuge, die von der Verleihfirma angeboten wurden.

An beiden Fahrzeugtypen war qualitätsmäßig sicherlich nichts zu beanstanden, der Renault gab sogar das Gefühl eines Oberklassefahrzeug. Womit ich allerdings kämpfte, das war die digitale Qualität der Fahrzeuge. Beide hatten ihre eigenen Versionen des TomTom-Navigationssystems eingebaut, und keines davon war einfach bedienbar. Mehrmals während der Verleihdauer versuchte ich Adressen oder Sehenswürdigkeiten in den komplexen Eingabemasken einzugeben vergeblich. Entweder fand das System die Adresse nicht, oder listete die Sehenswürdigkeit – weil irrtümlich als Kathedrale und nicht als Basilika eingegeben – in einem anderen Land 200 Kilometer entfernt.

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Renault Navigationssystem

Am Ende jedes Versuchs, bei dem ich fünf Minuten und mehr vergeudete, zog ich Google Maps auf meinen iPhone heraus, und hatte mit fünf bis sechs Tastenberührungen die Adresse und fuhr los. Weiterlesen Zwischen physischer Qualität und digitaler Notwendigkeit

Eine schöne Frage fragen

Fragen zu stellen ist was Menschen von Primaten unterscheidet. Selbst bevor Kinder sprechen können, beginnen sie Fragen zu stellen. Die Art der Fragen ändert sich mit dem Alter. Anfänglich sind die Fragen in Form von „Was ist das?“, ändern sich dann zu „Wieso macht der Mann das?“ zu „Wie funktioniert das?“ und „Warum ist der Himmel blau?“, bis zu den Vorstellungen „Was wäre, wenn…?“ Tatsächlich stellen Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren 40.000 Fragen.

Nur sind nicht alle Fragen zugleich auch gute Fragen. „Warum wurde das bisher nicht gemacht?“, „Wer macht das?“, „Bis wann können wir damit rechnen?“, „Bin ich der Einzige, dem das Sorgen macht?“ sind Fragen, die nach Schuldigen suchen. Sie sind wie ein Kreuzverhör interogativ. Eine der dümmsten Varianten ist eine Frage der Art „Was ist unsere Version eines iPads?

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Zukünfterad und die Änderungen 1., 2. und 3. Ordnung [VIDEO]

Eine Technik die hilft die beabsichtigte und unbeabsichtigte Auswirkungen von neuen Produkten und Dienstleistungen darzustellen ist das Zukünfterad. In der Mitte befindet sich der Kreis mit dem zu betrachtenden Produkt. Die unmittelbar benachbarten Kreise stellen die gewünschten direkten Auswirkungen und Effekte meines Produktes oder meiner Dienstleistung dar. Wir nennen das die Änderungen 1. Ordnung.  Mit jedem neuen Produkt und jeder neuen Dienstleistung verstehen wir aber auch, dass wir weitere, entferntere Auswirkungen haben. Diese Auswirkungen sind vorhersehbar, wenn auch weniger klar und offensichtlich als die Änderungen 1. Ordnung. Wir nennen sie Änderungen 2. Ordnung. Und dann gibt Änderungen, die wir auch bei größter Phantasie uns nicht vorstellen können, und diese nennen wir Änderungen 3. Ordnung.

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Zukünfterad – Vorlage

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Future Benchmarking [VIDEO]

Was ist Future Benchmarking und warum ist es wichtig für Organisationen bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen? Man stelle sich vor, ein Mitbewerber bringt ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung auf den Markt und man will ein ebensolches Produkt einführen. Dazu analysiert das Produkt oder die Dienstleistung des Mitbewerbers, erstellt eine Spezifikation und einen Zeitplan. Berücksichtigt man dabei aber nicht, dass sich bis zur Einführung des eigenen Produkts das des Mitbewerbers ändern und verbessern wird, dann führt man ein Produkt ein, das sofort wieder dem des Mitbewerbers nachhinkt.

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Future Benchmarking

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Kopernikanische Methode Oder Wie lange wird es Google noch geben?

Konnte man im Jahr 1969 vorhersagen, wie lange die Berliner Mauer noch stehen wird? Wir wissen, dass sie 1989 fiel und sie ist nun länger gefallen, als sie je stand. Aber diese Frage stellte sich der amerikanische Physiker John Richard Gott bei einem Berlinbesuch ein Jahr nach Niederschlagung des Prager Frühlings.

Da niemand vorhersagen konnte, wann die Berliner Mauer – wenn überhaupt – fallen würde, auch John Richard Gott nicht, postulierte Gott, dass das Kopernikanische Prinzip in Fällen anzuwenden sei, wo nichts bekannt ist. Das Kopernikanische Prinzip, benannt nach dem Astronomen Nikolaus Kopernikus aus dem 16. Jahrhundert, beschreibt, dass Menschen keine Sonderstellung im Kosmos haben.

Umgelegt auf die Berliner Mauer im Jahr 1969 bedeutete das, dass er die Berliner Mauer mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent zu einem Zeitpunkt sah, wo sie das erste Viertel ihrer Gesamtexistenz bereits hinter sich hatte. Das heißt, aus dem Alter von acht Jahren im Jahr 1969 würde sie mit 75-prozentigem Vertrauensintervall 1993 nicht mehr stehen. Die Rechnung würde somit vom Jahr der Errichtung 1961 8 mal 4 Quartale anhalten. Das wären 32 Jahre, somit 1993. Und er sollte recht behalten, die Mauer fiel vier Jahre vorher.

Diese Methode taufte er auf den Namen ‚Kopernikus Methode‘ und wandte sie zugleich an die Lebenserwartung der Menschheit an. Zwischen 5.100 und 7,8 Millionen Jahren sollten wir bei diesem ‚Doomsday-Argument‘ mit 95-prozentigem Vertrauensintervall noch als Spezies vor uns haben, also kein Grund, dass wir oder unsere Kinder in Panik geraten. Weiterlesen Kopernikanische Methode Oder Wie lange wird es Google noch geben?

Signale kombinieren

Die Zukunft kommt nicht aus dem Nichts, sie baut auf bestehenden Bausteinen auf, die bereits existieren. Die Menschheit hat in ihrer Geschichte eine Unmenge an solchen Bausteinen geschaffen. Mit jedem weiteren Baustein steigen die Kombinationsmöglichkeiten und früher oder später wird sie jemand in einer Weise kombinieren, die zum nächsten Durchbruch verhelfen, oder das Ende einer Industrie einläuten.

Die Frage, die sich jeder stellt ist: „Wie kann ich der- oder diejenige sein?“

Sicher nicht, indem man sich zurücklehnt und alles als Hype abtut. Neues kann man nur schaffen und mitbestimmen, indem man selbst fleißig verschiedene Kombinationen von Bausteinen ausprobiert. Weiterlesen Signale kombinieren

Harte und Weiche Trends

Was genau ist ein Trend? Wissenschaftlich betrachtet deutet ein Trend auf eine generelle Richtung hin, in die sich etwas entwickeln oder ändern wird. Trend ist aber nicht gleich Trend.

Als Elvis Presley starb, gab es knapp über hundert Elvis-Imitatoren. Menschen, die sich kleideten wie Elvis, die ihr Haar schnitten und fönten wie Elvis, und die Elvis Lieder mit seiner charakteristischen Stimme sangen. Nach Elvis Tod am 16. August 1977 explodierte die Zahl der Elvis-Imitatoren über Nacht.

Eine Betrachtung der Zahlen an Elvis-imitatoren zwischen 1977 und 1982 ließ keinen anderen Schluss zu, als dass im Jahr 2000 ein Drittel aller Amerikaner ihr Geld als Elvis-Imitatoren verdienen würden.

Das ist natürlich nicht geschehen und jeder oder jede Befragte mit ein bisschen Hausverstand hätte uns sagen können, dass es dazu nicht kommen wird. Weiterlesen Harte und Weiche Trends

Lego und wie man die Zukunft vorhersagt

1922 stellten zwei Forscher der Columbia Universität eine Liste an 140 Erfindungen und Entdeckungen zusammen, bei denen die Erfinder, unabhängig voneinander, ohne voneinander zu wissen, in unterschiedlichen Ländern oder sogar auf unterschiedlichen Kontinenten, dieselbe Erfindung oder Entdeckung innerhalb einer kurzen Periode gemacht hatten

Am selben Tag im Jahr 1876 an dem Alexander Graham Bell ein Patent für das Telefon einreichte, reichte ein anderer dasselbe Patent ein paar Stunden später ein – im selben Patentbüro. 1745 und 1746 erfanden sowohl Ewald Georg von Kleist und Pieter van Musschenbroek die elektrische Batterie. Josef Ressel, John Ericsson, Francis Pettit Smith, David Bushnell und Robert Fulton erfanden unabhängig voneinander und in innerhalb einer kurzen Zeitspanne den Propeller.

Wie kann es sein, dass diese Leute auf dieselbe Idee zur selben Zeit kommen? Tatsächlich sollte die Frage anders lauten: warum haben nicht mehr Leute dieselbe idee? Eine Idee kommt ja nicht aus dem Blauen. Ein technologischer Durchbruch oder eine Erfindung ‚liegen in der Luft.‘ Und das hat mit den zugrundeliegenden Bausteinen und dem Konzept das wir das ‚benachbarte Mögliche‘ nennen zu tun.

Bausteine

Alles beginnt mit den verfügbaren Bausteinen. Als 2007 das iPhone angekündigt wurde, gab es viele die es nicht als innovativ anerkannten. ‚Was ist neu daran?‘ Alle Technologien gab es bereits. Touchscreen, Handynetzwerk, Computerchip, Betriebssystem, App Store, Kamera, Apps, Abonnementmodell. Keines dieser Elemente war für sich neu. Weiterlesen Lego und wie man die Zukunft vorhersagt

Hypes versus Trends

Sobald wir in der Öffentlichkeit über Trends sprechen, können wir ohne Mühe voraussagen, dass wir einen Kommentar wie diesen hören werden: „Das ist doch nur ein Hype!“ Und an uns nagen sofort die Zweifel, ob die Person damit recht hat, ob man selbst etwas verpasst hat, oder ob man diesen Kommentar einfach ignorieren sollte.

Es ist nämlich nicht einfach Trends frühzeitig zu entdecken und sie erfordern einiges an Anstrengung Signale zu identifizieren, die einen Trend andeuten könnten. Die Chance, dass es sich nur um einen Hype, um eine Modeerscheinung, oder wie man das auch immer bezeichnen will, handeln könnte, sind durchaus nicht abwegig.

Wie aber unterscheidet man wirklich ob etwas ein Hype oder doch ein echter Trend sein wird? Würden wir dem italienischen Filmemacher Federico Fellini Glauben schenken, dann wäre ein Hype folgendes:

„Ein Hype ist der peinliche und verzweifelte Versuch Journalisten davon zu überzeugen, dass von dir Geschaffenes die Misere wert ist, darüber eine Rezension zu schreiben.“ – Federico Fellini

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All die Zukünfte (Ja, es gibt mehr als eine)

Sich die Zukunft vorstellen ist nicht nur ein verträumte Freizeitbeschäftigung. Über unsere Zukunft nachzudenken, oder die unseres Unternehmen – sofern es gut gemacht wird – hilft uns uns besser darauf vorzubereiten, was so kommen mag. Während Unternehmensführer oft eine ‚Vision‘ oder Management einen ’strategischen Plan‘ vorbereiten und ausgeben, limitieren sie uns dabei auf eines: nämlich auf eine einzige Zukunft. Die selbe, die sie gerne sehen würden. Wenn diese Zukunft dann aber nicht geschieht, die Vision nicht wahr wird, der strategische Plan nicht aufgeht, dann wird das als Scheitern betrachtet.

Tatsächlich gibt es mehrere Zukünfte. Und welche Zukunft geschieht hängt teilweise von uns, teilweise von anderen Einflüssen ab. Der Zukunftskegel unterscheidet zwischen drei Arten von Zukünften: mögliche, wahrscheinliche und bevorzugte Zukunft. Weiterlesen All die Zukünfte (Ja, es gibt mehr als eine)