Fallstudie: Als Kodak das Momentum endgültig verlor

Für viele Jahrzehnte war der Kodak Moment synonym mit Erinnerungen festhalten. Augenblicke au Film zu bannen und für die Ewigkeit auf Filmpapier zu drucken ist für jeden der noch eine Schuhschachtel mit Fotos sein Eigen nennt greifbar. Doch den Kodak Moment gibt es nicht mehr, und Kodak auch nicht – zumindest nicht in der Form wie wir das Unternehmen kannten.

In einem Beitrag auf Harvard Business Review gibt Scott Anthony eine gute Einsicht wie es zum Niedergang von Kodak kam. Es war nicht nur ein Moment, der Kodak zu Fall brachte, sondern eine Reihe von kleinen Änderungen in der Technologie, dem Markt, dem Geschäftsmodell unterstützt von zu langsamen oder zu schnellen und teilweise auch falschen Reaktionen des Kodakmanagements. Es konnte sich niemand vorstellen, dass die Menschen Fotos nicht mehr ausdrucken, sondern digital ansehen würden. Das ganze Kodakgeschäftsmodell war darauf ausgerichtet Filmpapier zu verkaufen.

Dabei war Kodak seiner Zeit voraus. Steve Sasson, 1975 ein junger Kodakingenieur, bastelte die erste Digitalkamera. Aus nicht mehr als einem Kassettenrekorder, einer Festplatte, Computer und einem Objektiv baute er ein klobig aussehendes Gerät. Und praktisch war es auch nicht. Zwanzig Sekunden benötigte eine Aufnahme, sehr niedrig war die Qualität des Bildes, und das Betrachten am Fernsehschirm machte das Bild auch nicht besser. Heute steht der Prototyp im Smithsonian Museum.

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Under Armour: Von Sportkleidung zum Big-Data-Schwergewicht

Digitale Transformation bedeutet nicht dem Schwein Lippenstift auf den Rüssel zu malen, sondern erfordert eine eingehende Beschäftigung mit dem eigentlichen Zweck des eigenen Unternehmens. Tesla baut seine Autos mit dem digitalen Kern als Ausgangspunkt, und nicht als App die auf ein Auto draufgeklebt wird. Uber baute sein Geschäftsmodell von einer App ausgehend, und nicht als einen zusätzlichen Kanal um ein Taxi zu bestellen. So wie die Autobauer heute feststellen müssen, dass sie nicht im Geschäft sind um Autos zu bauen, sondern um eine Mobilitätslösung zu bieten – eine Lösung bei der das Auto ein Bestandteil unter mehreren sein kann – so erkennen auch andere Branchen wie sich ihr Geschäftsfeld ändert.

Genau diese Erkenntnis hatte Under Armour-Gründer Kevin Plank. Er hatte die Ahnung, dass sich irgendwie die Industrie änderte. Hinzu kam, dass Menschen mehr über den Zustand ihres Autos Bescheid wissen, als über ihren Körper. Doch was kann ein Sportbekleidungshersteller beitragen? Alles begann damit, dass Kevin Plank, selbst ein ehemaliger Footballspieler, sich darüber ärgerte, wie verschwitzt seine Kleidung beim Training war. Durch Zufall stieß er auf einen synthetischen Stoff, der sich nicht mit Schweiß voll saugte. Aus dem schneiderte die ersten Leibchen, verteilte sie zum Testen an seine Mannschaftskollegen – und der Rest ist Geschichte.

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Digitale Wüste Deutschland

‚Digitale Transformation‘ ist wohl eines der abgelutschtesten Schlagworte, das momentan durch die Führungsetagen in Deutschland geistert. Mit dem Begriff – den außerhalb Deutschlands niemand wirklich kennt – versucht man das Biest zu zähmen. Und man tut sich schwer es zu verstehen. Reicht es eine App irgendwo draufzuklatschen wie einen Aufkleber und man ist ‚digital transformiert‘? Oder irgendwo eine Website bereits stellen, wo sich die Kunden ihre Rechnungen online anschauen können? Ehrlich, wenn man das noch nicht hat, dann ist man schon sehr spät dran. Zu spät.

Aus dem fernen Kalifornien ist es nicht ganz greifbar, warum es so schwer ist das zu verstehen. Aber meine regelmäßigen Besuche in Deutschland (und Österreich und der Schweiz) führen es mir vor Augen. Es sind diese Kleinigkeiten, die jede alleine nicht wirklich aufregend erscheinen, aber in Summe ihre ganze destruktive Kraft entfalten.

Zuerst mal ist es erstaunlich wie wenig Internetzugänge es gibt, und diejenigen die es gibt sind kostenpflichtig oder schlecht. In deutschen Hotels wird Internetzugang nach wie vor als Luxus gesehen und viele verlangen entsprechend viel. Zwischen €4 und €18 traut man sich zu verlangen. Als Geschäftsreisender geht es ohne Internetzugang überhaupt nicht. Und die Qualität der Leitung ist oft erstaunlich schlecht. Skype-Gespräche, Videostreams oder einfach nur mit Online-Werkzeugen arbeiten wird zum Glücksspiel. Mittlerweile verschiebe ich diese auf die Zeit, wenn ich von der Dienstreise zurück bin und stabile Internetverbindung habe.

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