DAX und das Innovationsdilemma: Wenn Deutsche Wohnen die Lufthansa ersetzt

Wie viele andere Unternehmen in der Transport- und Reisebranche kämpft auch Deutschlands Aushängeschild Lufthansa mit der COVID-19-Pandemie und den erlassenen Ausgehverboten und Grenzschließungen. Stand das Unternehmen Anfang des Jahres noch gut da, hat es sich in nur wenigen Monaten (unverschuldet) zu einem Sanierungsfall entwickelt. Die eingebrochene Börsenbewertung zwang den DAX, die Lufthansa mit einem anderen Unternehmen zu ersetzen, und dieses ist – Deutsche Wohnen.

Deutsche Wohnen ist aktuell mit €14,6 Milliarden bewertet, während es die Lufthansa nur mehr auf €5,2 Milliarden schaffte, die Hälfte von Anfang des Jahres. Jetzt sei Deutsche Wohnen der Erfolg gegönnt, doch trotzdem lässt dieser Tausch ein schales Gefühl zurück.

Inspirationen aus Übersee

Wenn wir diesen Tausch in Zusammenhang mit anderen Ereignissen der vergangenen Tage stellen, dann wird er Grund für das schale Gefühl klar. So brachte SpaceX als erstes Privatunternehmen in der Raumfahrtgeschichte eine mit den Astronauten Doug Hurley und Bob Behnken bemannte Rakete ins All zur Raumstation ISS. Die erste Stufe der Rakete landete wie bereits dutzende Male zuvor sicher auf einer im Atlantik schwimmenden Landeplattform.

Nur vier Tage später sandte SpaceX eine weitere Rakete ins All, die dutzende Satelliten für das StarLink-Programm in einer Erdumlaufbahn aussetzte.

Sicherlich inspiriert durch den Erfolg von SpaceX stieg der Aktienkurs eines weiteren Unternehmen von Elon Musk, Tesla. Und die Börsenbewertung von Tesla lag damit erstmalig über den aller deutschen Automobilhersteller gemeinsam. Und das, nachdem schon Apple Anfang des Jahres mehr wert war, als alle 30 DAX-Unternehmen zusammen.

Während unsere Börsenaufsteiger Wohnunternehmen sind – und diese sind sicherlich wichtig, keine Frage – inspirieren woanders Technologie- und Digitalunternehmen die Menschen weltweit. In einem Land, das sich gerne selbst als Technologieführer und Exportweltmeister inszeniert, hinkt hinter der Entwicklung dieser Technologien her, ja hat Probleme diese überhaupt zu akzeptieren geschweige denn zu adoptieren.

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Nicht nur Deutschland kämpft damit, ganz Europa fällt hier zurück. Nur ganz wenige Digitalunternehmen und inspirierende Technologiefirmen entstanden in Europa in den letzten Jahrzehnten. Die Tatsache, dass sich die Mehrheit der neu gegründeten europäischen Raumfahrtunternehmen früher oder später in den USA ihre Zelte aufschlagen, bereitet ESA-Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Achtzig Prozent der im DAX gelisteten Unternehmen sind älter als 100 Jahre.

Was können wir tun?

Darüber habe ich hier schon oft reflektiert, und ein Faktor ist, dass wir Unternehmensgründungen und das Nehmen von Risiken ermutigen, nicht nur durch vereinfachte Prozesse, sondern auch durch eine Einstellungsänderung in der Öffentlichkeit.

Corona als Chance
Was nach der Krise anders sein wird

COVID-19 hat in nur wenigen Wochen die Weltwirtschaft abgewürgt und hunderttausende Menschen getötet, und uns zugleich technologisch und gesellschaftlich weitergebracht, als jahrelanges Reden über digitale Transformation und Grundeinkommen es schafften. Wenn wir diese „gute Krise nicht vergeuden“ wollen, dann bietet sich jetzt die Chance, unsere Gesellschaft zu einem fairen und unsere Wirtschaft zu einem nachhaltigen System zu ändern. Anhand von Signalen aus verschiedenen Industrien, Technologien und der Gesellschaft geht der Autor darauf ein, was sich ändern wird, und wo es Entscheidungsträger und Investoren schritte setzen können, um diese Chance für eine neue Normalität zu nutzen.

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Vielleicht bietet uns die Corona-Krise die Chance zu ergreifen und viele Menschen zu ermutigen, endlich ihre eigene Ideen umzusetzen und Mitstreiter zu finden. Drei Monate Heimquarantäne mit viel Zeit über die eigenen Ziele nachzudenken wird uns hoffentlich eine Gründerwelle bescheren. Auch fehlt es nicht an Geld im reichen Europa, es fehlt eher am Verständnis für Risikoinvestitionen, die anfänglich nicht mit traditionellen Wirtschaftskennzahlen bewertet werden können.

Und letztendlich benötigen wir ein Umfeld mit Kunden, die sich auch nicht scheuen, neue, unerprobte Technologien zu kaufen und mit den jungen Unternehmen an der Verbesserung zu arbeiten. Die Risikoaversion im satten Europa zieht sich nämlich durch alle Ebenen.

Das Stimuluspaket der deutschen Bundesregierung selbst ist ein erster Anfang. Gelder aus dem Hilfspaket in junge Unternehmen zu stecken und sie zu Innovation zu ermutigen wäre ein Ziel. Dass man alte Technologien nicht mehr einfach so unterstützt, zeigte sich an der Weigerung, Verbrennungskraftfahrzeuge zu fördern.

Und das könnte das eigentliche Erbe der Corona-Krise werden, dass sie uns die Chance gab uns neu zu erfinden und uns und er Welt Innovation und Inspiration zu bringen.

Dazu gibt es mehr in meinem neuesten Buch Corona als Chance (als E-Book gerade erschienen).

Dieser Beitrag wurde auch auf Englisch veröffentlicht.

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