Wie ziehe ich ins Silicon Valley?

Vor vielen Jahren versuchte ein Studienkollege, einen Job im Silicon Valley zu angeln. Er sandte all seine Bewerbungsschreiben an diverse Recruiter und Personalabteilungen, alles ohne Erfolg. Schon damals, Anfang der 1990er Jahre, hatte die Region zwischen San Francisco und San José diese magische Ausstrahlung. Nur hießen damals die Unternehmen Atari und General Magic, heute sind es Google, Apple oder Tesla.

Nichts hat sich an der Anziehung des Silicon Valley geändert und ich plaudere immer wieder mit Start-Up-Gründern und anderen Motivierten, wie man denn ins Silicon Valley kommen könne. Hier ist eine Übersicht zu Vorgehensweisen, die ich empfehle. Welche davon ausgewählt wird, ist immer von der jeweiligen persönlichen Situation abhängig.

Bevor man den großen Sprung macht, Sack und Pack schnappt, und sich herüber verpflanzt, empfehle ich, sich mal die Auszeit zu nehmen und auf ein bis drei Monate herzukommen und in das Ökosystem einzutauchen. Mit einem regulären Touristenvisum wie es zwischen EU und USA möglich ist, kann man 90 Tage bleiben (bitte immer die aktuellen Visumsabkommen aus dem jeweiligen Herkunftsland konsultieren).

Nach diesen ein bis drei Monate hat man immer ein viel besseres Verständnis, wie das Silicon Valley tickt, was geht und was man machen kann.

Wenn man einmal hier ist, hat man zumeist mehrere konkrete Fragen und Probleme zu lösen. Wo wohne ich? Wie teuer ist das Leben hier? Wie komme ich am besten in Kontakt mit Leuten?

Wohnen & Lebenskosten

Die Lebenshaltungskosten in der San Francisco Bay Area (wie wir diese Gegend hier auch nennen) ist sehr teuer. Und wenn ich sage sehr teuer, dann meine ich das auch so. 2020 kostet ein WG-Zimmer oder ein Studio-Appartment in San Francisco locker $3.500 bis $4.500. Der Komfort und Standard ist dabei nur in den seltensten Fällen mit denen in Europa zu vergleichen. Man zahlt hier eindeutig für die Tatsache, im Silicon Valley zu wohnen.

Es gibt billigere Optionen in der East Bay zwischen Berkeley und Milpitas mit Fremont und Oakland dazwischen. Nur: ist das streng genommen nicht Teil des Silicon Valley, man ist fernab von der eigentlichen Action (also dort wo man die Leute auf spannenden Events trifft), und man braucht dann unbedingt ein Auto. Billiges wohnen wird damit dann gleich teuer, allerdings mit dem Nachteil, noch im in der ganzen Bay Area schrecklichen Verkehr stecken zu müssen.

WG-Zimmer oder Apartment werden für monatsweise Vermietungen zumeist gar nicht angeboten, da sind dann Airbnb, Couchsurfing oder solche kurzfristig auf Gründer ausgerichtete Unterkünfte, sogenannte Co-Livingspaces wie Bed|n|Build.

Solche Co-Livingspaces, aber auch ein Zimmer in einer WG oder Airbnb haben den Vorteil, auch rasch mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen.

Eine weitere Möglichkeit ist sich günstig ein altes Wohnmobil zu kaufen, dieses an legaler Stelle zu parken, und darin zu wohnen. Mir sind zumindest ein deutsches Start-Up bekannt und etliche Google-Mitarbeiter, die das tatsächlich so machen.

Es könnte auch Sinn machen, Während der Dauer des Aufenthalts auch die Unterkunft zu wechseln. Zum Beispiel zwei Wochen in San Francisco, und zwei Wochen in der Bay Area um Palo Alto. Damit erhält man einen besseren Eindruck über das Leben in der Bay Area und die Unterschiede bei den Kontakten und Firmen, die man trifft. Die sind größer, als man meinen mag.

Arbeiten & Kontakt

Eine gute Möglichkeit schnell in Kontakt mit vielen Menschen zu treten ist, indem man sich ein paar Tage in einen oder mehrere Co-Workingspaces einmietet. Im Silicon Valley gibt es mindestens 80 davon, alle mit unterschiedlichen Angeboten und Schwerpunkten. Zu den bekanntesten zählt sicher das WeWork-Netzwerk, aber auch das GSV Lab und ähnliche.

Nicht nur trifft man dort ganz ungezwungen auf jede Menge andere Gründer in den Kaffeeecken, den Aufenthaltsräumen und gemeinsamen Tischen, sondern auch bei den zahlreichen Veranstaltungen und oft auch gratis angebotenen Kursen, die oft von dein einzelnen Start-Ups für ihre „Co-Workers“ – also den anderen Start-Ups – angeboten werden.

Hat man so einmal Kontakt gemacht, geht es oft sehr schnell, dass man von anderen Veranstaltungen und Partys hört, auf die man einfach mitgenommen wird und mitgeht.

Die Leute im Silicon Valley stehen alle vor einer ähnlichen Situation wie man selber: keiner ist selbst von hier, jeder sucht nach Kontakten. Egal ob die Leute aus Rumänien, Indien, Brasilien oder Deutschland sind, jeder/jede sucht und hilft. Netzwerken hier ist sehr einfach.

Ein weitere Art schnell zu Themen einzutauchen und Leute kennenzulernen sind Meetups. Diese finden zumeist abends statt und davon gibt es zu jedem Thema mehrere pro Woche. Man kann locker jeden Tag zu zwei Meetups gehen, wenn man möchte und lernen und netzwerken. Dazu einfach auf der Website selbst Palo Alto als Zentrum und dann 60 Meilen Radius eingeben, und man sieht, was los ist. Die meisten Meetups sind gratis.

Neben Konferenzen und alle möglichen weiteren Veranstaltungen sind auch einfache Treffen in Cafés sehr gut. Da hat man dann mehr Zeit, sich besser kennenzulernen und vielleicht sogar etwas gemeinsam zu machen. Cafés sind auch ein weiterer Ort, wo man sehr gut alleine arbeiten kann, und man dabei trotzdem in Gesellschaft ist. Joe & The Juice, Starbucks oder Peets sind einige der bekannten Ketten, die alle Internet und Steckdosen haben, und dann jede Menge anderer. Es haben alle von denen sehr gute Internetverbindungen, wenn auch nicht immer Steckdosen.

Verhalten

Für einige ist die Umstellung auf das Silicon-Vallley-Mindset eine kleine Hürde. Dazu empfehle ich immer mein Buch im Vorhinein zu lesen. Das Buch gibt es übrigens jetzt auch als günstiges Taschenbuch.

Wichtig ist vor allem, offen zu sein, selbst hilfreich zu sein und Kontakte ermöglichen, und vor allem das auch schnell zu machen. Ein LinkedIn-Konto ist Voraussetzung (XING kennt hier niemand) und auf E-Mails am Besten sofort antworten. Länger als 24 Stunden mit der Antwort zu warten ist nur mit sehr guter Begründung akzeptiert.

Auch Treffen vereinbaren geht sehr rasch und unmittelbar. Nicht in einer oder zwei Wochen, sondern morgen gleich nach dem Frühstück. Das Tempo ist atemberaubend.

Umzug

All die bisher beschriebenen Hinweise helfen, das Silicon Valley hautnah selbst zu erleben und zu verstehen, welche Möglichkeiten es gibt, was einem selbst taugt, und wie man am Besten vorwärts gehen kann.

Um auf längere Zeit ins Silicon Valley zu ziehen bedeutet, dass man sich um Arbeitsvisum kümmern muss, Wohnung suchen, Steuern zahlen und so weiter. Es gibt eine ganze Reihe von Visa, die angefangen von Spezialistenvisum (O1), Entrepreneurvisum für 5 Jahre, Arbeitsvisum H1B, ein Visum wenn man mindestens ein Jahr bereits bei einem Unternehmen arbeitet, das auch in den USA Niederlassungen hat und dorthin wechselt (L1) oder die Green Card, die man in der Green Card-Lotterie gewinnt. Dazu aber ist es am Besten, einen entsprechenden Immigrationsanwalt zu Rate zu ziehen.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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