Unsterblichkeit dank virtueller Realität?

Vor einigen Jahren spielte eine Freundin in einem Theaterstück die Hauptrolle einer Witwe, deren Ehemann vor seinem Tod sein Gehirn auf einen Computerchip hochgeladen hatte. Damit blieb er auch lange nach seinem Tod im Leben seiner Frau und Kinder präsent. Was der Verstorbene dabei zu berücksichtigen vergessen hatte, war, dass seine Familie älter wurde. Seine Kinder wuchsen heran, wurden Teenager und Erwachsene. Für seine Frau ging das Leben weiter, sie suchte sich einen neuen Partner. Nur der Ehemann, auf ewig eingefroren auf dem KI-System – änderte sich nicht. Konflikte waren somit vorprogrammiert und die Lage spitzte sich zu, bis die Familie nur mehr eine Möglichkeit sah: die Maschine abzuschalten und damit den verstorbenen Vater und Ehemann endgültig auszulöschen.

Der Wunsch nach Unsterblichkeit bewegt die Menschheit seit Anbeginn der Zeiten, und er ist verständlich. Religionen bedienen dieses Wunsch nach dem Weiterleben einer Seele nach dem Tod oder der Wiedergeburt oder Wiederauferstehung. Seancen mit Geisterbeschwörern oder Priester, die den Kontakt aufrecht erhalten sollten, hat immer eine willige Klientel.

Mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz oder virtueller Realität, treten wir in eine neue Phase ein, wo wir dem Wunsch nach Unsterblichkeit oder dem Kontakt mit Verstorbenen (etwas) näher kommen. Ein berührendes Beispiel kommt dieser Tage aus Korea.

2016 starb Nayeon, die damals siebenjährige Tocher von Jang Ji-sung, an einer unheilbaren Krankheit. Drei Jahre später stellte ein Fernsehsender Ausschnitte aus einer Dokumentation vor, in der Jang mit ihre Tochter virtuell vereint wurde.

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