Wie Geldkuriere Deutschland in die digitale Zukunft drängen und sich selbst dabei abschaffen

Mit Jahresbeginn streiken in Deutschland Mitarbeiter der Geld- und Wertbranche um höhere Löhne durchzusetzen. Laut der Gewerkschaft Ver.di beteiligen sich 3.000 der 11.000 bundesweiten Mitarbeiter, die Händler und Banken mit dem Transport von Bargeld versorgen. Angedroht werden Wirtschaftskatastrophen. Ohne Bargeld kein Handel, leer Geldautomaten und damit Wirtschaftsstillstand.

Bargeld hat in Europa und speziell in einigen Ländern einen nach wie vor hohen Stellenwert. Während ich in USA vielleicht einmal in zwei Wochen Bargeld abhebe, muss ich das in Europa alle paar Tage tun. Und nicht etwa, weil das Leben hier teurer, sondern weil viele Geschäfte nach wie vor nur Bargeld entgegennehmen.

Bargeldloser Zahlungsverkehr in anderen Ländern

Kai Fu Lee, ehemaliger Google China-Chef und Autor von AI Superpowers: China, Silicon Valley and the New World Order, zeichnet ein eindrückliches Bild vom modernen China, wo Bargeld bereits ein Ding der Vergangenheit ist. Dank mobilen Apps wie WeChat Wallet oder Alibabas Alipay bezahlen heute bereits eine halbe Milliarde Chinesen nur mehr mit ihrem Smartphone. Und das selbst kleinste Transaktionsbeträge von wenigen Cent bei Straßenverkäufern. Sogar Straßenmusiker haben keinen Klingelbeutel mehr, sondern halten einen QR-Code hoch, über den die Passanten bezahlen können.

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Chinesen bezahlen Straßenmusiker mit ihren Smartphones

In den USA sind seit Jahrzehnten Kreditkarten eine bargeldlose Form der Zahlung. Zwar sind Kreditkarten auch in Europa verbreitet, bevorzugt werden aber sowohl von den Händlern als auch den Kunden Bargeld. verständlich, wenn die Transaktionsgebühren ein oder zwei Prozentpunkte vom Kaufbetrag oder bei geringen sogar eine Fixgebühr von 50 Cent umfassen.

Dabei ist die Bereitstellung und Handhabung von Bargeld teuer. Nicht nur die Kosten der Herstellung von Geld mit all den aufwendigen Sicherheitsmerkmalen kostet, auch der Transport, das Zählen und Nachzählen und das Aus-dem-Verkehr-nehmen abgenutzter Geldscheine kostet. Ganz zu schweigen von den Risiken mit Bargeld zu hantieren.

Raubüberfälle

Kein Wunder, dass immer mehr Länder sich vom Bargeld lösen. In Schweden beispielsweise gab es 2017 nur mehr 11 Banküberfälle, 2009 noch 110. Für Bankräuber wurde es unattraktiv, haben hiesige Banken kaum noch Bargeld vorliegen.

Auch in China geschah ähnliches. Ein paar von kriminellen Vettern aus der Provinz reiste im März 2017 nach Hangzhou mit dem Ziel, einige Geschäfte zu überfallen, Geld einzusacken und dann wieder nach Hause zu fahren. Nachdem sie mit Messern bewaffnet drei Nahversorger überfallen und dabei karge 250 Dollar eingesackt hatten – nicht mal ausreichend um die Reise zurück zu finanzieren – wurden sie frustriert von der Polizei geschnappt.

China ist auch deshalb in der bargeldlosen Bezahlung so weit fortgeschritten, weil das Land die vorhandenen Technologien wie Kreditkarten und Geldautomaten übersprungen hat. In Europa und da vor allem in Deutschland stellt sich als großes Hindernis für die Abschaffung von Bargeld das immer dann vorgebrachte Argumente der staatlichen Überwachungsmöglichkeit dar.

Dabei zeigt der Streik der Geldkuriere nun eines auf. Am ersten Tag des Warnstreiks gab es kaum Unterbrechungen oder Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr. Vereinzelt mögen zwar Geldautomaten kein Bargeld mehr gehabt haben, doch das passiert auch an umsatzstarken Einkaufstagen oder verlängerten Wochenenden. Dann verwendet und akzeptiert man doch Kreditkarten oder digitale Zahlungsmöglichkeiten. Die Alternativen sind bereits da.

Und damit wird dieser Streik vor allem zu einer Gefahr für die Mitarbeiter der Geld- und Wertbranche selbst. Sie schaffen sich selbst ab. Und dafür gibt es bereits ein Beispiel aus der Vergangenheit: Aufzugführer (Elevator Operator) oder Liftboys.

Aufzugsführer

Aufzüge waren ja ein bei ihrer Einführung ein aufregendes und komplex zu bedienendes Ding. Erst durch Aufzüge wurden allerdings Hochhäuser und damit Besiedlungsdichten, wie wir sie heute in Großstädten kennen, möglich. Mit jedem Aufzug kam deshalb ein Aufzugführer mit. Die Filmkomödie Das Appartment von Billy Wilder mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine in ihrer ersten Rolle macht das zum Thema. Shirley MacLaine als Fran arbeitet als Aufzugsführerin im Bürohochhaus einer Versicherung, wo ihr Bud (Jack Lemmon) jeden Tag begegnet.

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Shirley MacLaine und Jack Lemmon im Film Das Appartment

Auch wenn seit 1900n bereits die Technologie, die Sicherheit und Einfachheit in der Bedienung so weit war, dass man keine Aufzugführer mehr gebraucht hätte, so waren einerseits die Gewerkschaft der Aufzugsführer zu stark, und die Angst der Öffentlichkeit vor Aufzügen nach wie vor zu groß.

Erst ein massiver Streik der Aufzugsführer mit der Forderung nach Gehaltserhöhungen brachte die Wende. 1945 legten in New York 15.000 Aufzugsführer die Arbeit nieder und stoppten damit die Stadt. Eineinhalb Millionen Büroarbeiter konnten nicht mehr ins Büro, hunderte Millionen Dollar an Verlusten in der Wirtschaft und an Steuern entstanden. Und diesen Moment nutzten die Betreiber und Hersteller der Aufzüge, um Aufzugsführer abzuschaffen. Heute kann man die noch existierenden Aufzugsführer in New York an einer Hand abzählen.

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Streikende Aufzugsführer in New York im Jahr 1945

Schlussfolgerung

Der Streik der Geldkuriere macht eines deutlich: man braucht sie nicht mehr. Sie schaffen sich ab wie es die Aufzugsführer mit ihren Streiks in New York im Jahr 1945 gemacht hatten.

Und dieser Streik hilft einem in digitalen Zahlungsmitteln rückständigen Land wie Deutschland in die Zukunft zu marschieren und zu zeigen, wie wenig man Bargeld wirklich noch benötigt, wenn man nur will beziehungsweise muss. Für Blockchain- und Kryptozahlungsmitteltechnologien ist der Streik der Mitarbeiter der Geld- und Wertbranche ein Geschenk des Himmels.

 

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