Künstliche Intelligenz isst Software

Als die Grenzen fielen, die damals den Westen vom Ostblock trennten, konnte sich niemand vorstelle, wie rasch in gewissen technologischen Bereichen die ehemaligen Warschauer Pakt-Länder voran preschen würden. Während einige Jahre später in Österreich noch das kabelbasierte Telefonnetz vorherrschte und der Handy-Empfang eher bescheiden war, hatte Ungarn das schnellste GSM-Netz. Das Land hatte vorher kein Geld besessen, Kabel für ein besseres Telefonnetz zu verlegen, und übersprang mit der Öffnung einfach diese Technologie und ging gleich auf drahtlose Telefonie über. Im Englischen spricht man von ‚leapfrogging‚, wo man wie ein Laubfrosch das Hindernis springt.

Genauso mag man sich heute in den deutschsprachigen Ländern fühlen, wenn man die Schulausbildung betrachtet. Sollen wir Programmieren als Fach in Schulen unterrichten oder doch nicht? Diese Frage, die eigentlich seit den 1980er Jahren mit einem klaren ‚Ja‘ beantwortet werden hätte sollen, ist noch immer kein Unterrichtsfach an unseren Schulen. Weiterlesen Künstliche Intelligenz isst Software

Advertisements

Innovationsschüchternheit

Dort wo die zarten Knospen sprießen, scheinen Bäume am empfindlichsten zu sein. Manche Baumsorten die sich in Wäldern zu nahe kommen vermeiden den Kontakt mit ihren Artgenossen. Im Schirm bilden sich Abstände zwischen den einzelnen Baumkronen, die wie Kapillaren wirken. Das Phänomen tritt nicht bei allen Baumarten auf. Buche und Esche scheinen besonders sensibel zu sein und halten Abstand, Linden gingen schmiegen sich aneinander.

Warum sich die Baumkronen nicht berühren – es zu diesem Phänomen der ‚Baumkronenschüchternheit‘ kommt – darüber sind sich Forscher nicht ganz einig. Es kann einerseits ein Schutz vor Schädlingen sein, denen ein Übergreifen von einem Baum auf den nächsten schwerer gemacht wird, andererseits aber mit der Sensibilität der Zweigspitzen, die durch Wind aneinander gerieben werden und so zum Abstand zwischen den einzelnen Baumkronen führen.

Berührungsängste oder Infektionsschutz, was auch immer es ist, dieses Naturphänomen scheint eine Metapher für ein Unternehmensphänomen zu sein. Nämlich warum es vielen etablierten Firmen so schwer fällt, innovativ zu sein.

Weiterlesen Innovationsschüchternheit

Lego und wie man die Zukunft vorhersagt

1922 stellten zwei Forscher der Columbia Universität eine Liste an 140 Erfindungen und Entdeckungen zusammen, bei denen die Erfinder, unabhängig voneinander, ohne voneinander zu wissen, in unterschiedlichen Ländern oder sogar auf unterschiedlichen Kontinenten, dieselbe Erfindung oder Entdeckung innerhalb einer kurzen Periode gemacht hatten

Am selben Tag im Jahr 1876 an dem Alexander Graham Bell ein Patent für das Telefon einreichte, reichte ein anderer dasselbe Patent ein paar Stunden später ein – im selben Patentbüro. 1745 und 1746 erfanden sowohl Ewald Georg von Kleist und Pieter van Musschenbroek die elektrische Batterie. Josef Ressel, John Ericsson, Francis Pettit Smith, David Bushnell und Robert Fulton erfanden unabhängig voneinander und in innerhalb einer kurzen Zeitspanne den Propeller.

Wie kann es sein, dass diese Leute auf dieselbe Idee zur selben Zeit kommen? Tatsächlich sollte die Frage anders lauten: warum haben nicht mehr Leute dieselbe idee? Eine Idee kommt ja nicht aus dem Blauen. Ein technologischer Durchbruch oder eine Erfindung ‚liegen in der Luft.‘ Und das hat mit den zugrundeliegenden Bausteinen und dem Konzept das wir das ‚benachbarte Mögliche‘ nennen zu tun.

Bausteine

Alles beginnt mit den verfügbaren Bausteinen. Als 2007 das iPhone angekündigt wurde, gab es viele die es nicht als innovativ anerkannten. ‚Was ist neu daran?‘ Alle Technologien gab es bereits. Touchscreen, Handynetzwerk, Computerchip, Betriebssystem, App Store, Kamera, Apps, Abonnementmodell. Keines dieser Elemente war für sich neu. Weiterlesen Lego und wie man die Zukunft vorhersagt