Hypes versus Trends

Sobald wir in der Öffentlichkeit über Trends sprechen, können wir ohne Mühe voraussagen, dass wir einen Kommentar wie diesen hören werden: „Das ist doch nur ein Hype!“ Und an uns nagen sofort die Zweifel, ob die Person damit recht hat, ob man selbst etwas verpasst hat, oder ob man diesen Kommentar einfach ignorieren sollte.

Es ist nämlich nicht einfach Trends frühzeitig zu entdecken und sie erfordern einiges an Anstrengung Signale zu identifizieren, die einen Trend andeuten könnten. Die Chance, dass es sich nur um einen Hype, um eine Modeerscheinung, oder wie man das auch immer bezeichnen will, handeln könnte, sind durchaus nicht abwegig.

Wie aber unterscheidet man wirklich ob etwas ein Hype oder doch ein echter Trend sein wird? Würden wir dem italienischen Filmemacher Federico Fellini Glauben schenken, dann wäre ein Hype folgendes:

„Ein Hype ist der peinliche und verzweifelte Versuch Journalisten davon zu überzeugen, dass von dir Geschaffenes die Misere wert ist, darüber eine Rezension zu schreiben.“ – Federico Fellini

Das klingt eher nicht nach dem was wir von einer Definition zu Hype erwarten würden, aber sicherlich gut genug um Humor in die Konversation einzustreuen. Um die Kriterien für einen Hype zu verstehen, betrachten wir doch zuerst einmal einen anderen Begriff: Informationskaskade.

Stellen wir uns eine Auktion vor, bei der es um Ölförderverträge geht, bei der mehrere Bieter teilnehmen. Jeder der Bieter hat seine eigenen geologischen Untersuchungen vorgenommen. Die Resultate lassen darauf schließen, dass es in dieser Region hier nicht wirklich viel an Ölvorkommen gibt. Die geologischen Untersuchungsergebnisse sind zu wenig eindeutig.

Während der Auktion offeriert einer der Bieter einen Preis für die Ölförderverträge der weit über dem liegt, den alle anderen bieten würden. Jeder beginnt zu denken, ob man vielleicht wichtige Informationen übersehen hat. Sobald ein weiterer Bieter auf das hohe Angebot einsteigt, bricht der Damm. Alle anderen bieten auch mehr einfach aus Angst, eine Chance zu verpassen. Das Verhalten ist klarerweise irrational und führt uns zu einer Blase.

Das ist eine Informationskaskade, wo das Verhalten eines Teilnehmers mit augenscheinlich mehr Information alle anderen dazu bringt, dieses Verhalten zu imitieren. Dieser selbstverstärkende Effekt wird nicht durch echte Daten unterstützt und kann manchmal auch durch bösartig handelnde Teilnehmer angestoßen werden, und letztendlich zu einem Marktanstieg mit folgendem Kollaps führen.

Die Informationskaskade basiert auf unserem Denken was andere denken, wobei wir das verwechseln mit dem was die anderen wirklich wissen. Vorhersagen zu treffen auf dem was andere denken und darauf unser eigenes Verhalten abzustimmen ist etwas, was den anderen auch bewusst ist. Deshalb führt deren Denken zu dem was wir über ihr Denken denken zu merkwürdigen Ergebnissen. Jeder schaut auf jeden anderen zurück, so als ob man in einen Spiegel sieht.

Solch ein Hype wird also durch Informationskaskaden und den daraus resultierenden Verhalten angefeuert. Will man echte Trends von Hypes trennen, dann ist es angeraten zu betrachten, ob er auf der Basis von echten Daten oder eher auf der Basis von Verhalten begründet ist. Es kann schwer sein einem Hype nicht zu folgen. Man könnte ja falsch liegen und einen echten Trend verpassen. Aber einen echten Trend als Hype abzutun kann einen selbst in eine gefährliche Position manövrieren.

Foresight-Praktiker irren dabei lieber indem sie einem Hype folgen, untersuchen und ausprobieren, als die Möglichkeit zu verlieren frühzeitig etwas zu untersuchen.

 

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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2 Gedanken zu “Hypes versus Trends

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