Die Heuchelei um Facebook und ‚unsere‘ Daten

Die Hysterie um Cambridge Analytica, Facebook und Benutzerdaten erreicht gerade ihren Höhepunkt, und man möchte meinen, wir hätten alle zugestimmt unsere Erstgeborenen an Mark Zuckerberg übergeben zu müssen.

Aber zuerst mal von Anfang an: Cambridge Analytica, eine politische Beratungsfirma mit zugegebenermaßen etwas zweifelhafter Reputation, hat – wie zigtausende andere Unternehmen – auf Benutzerdaten auf Facebook durch sogenannte Programmierschnittstellen oder die von Facebook selbst bereit gestellten Werkzeuge zugegriffen und für Kampagnen verwendet. Wie jeder, der schon einmal Werbung auf Facebook geschaltet, weiß, kann man damit ziemlich gezielt Werbung schalten. Alter, Geschlecht, Interessen, oder Region sind einige von vielen Kriterien nach denen Werber Benutzer filtern und Werbung gezielt schalten können. Ob das nun Werbekampagnen oder politische Kampagnen sind spielt dabei keine Rolle.

Cambridge Analytica ging allerdings noch einen Schritt weiter, und holte sich auch die zusätzliche Informationen der Benutzer, wie beispielsweise die Freunde der Benutzer, und kam somit von wenigen zigtausend Datensätzen zu kolportierten 50 Millionen. Und die wurden für die Wahl von Donald Trump und seiner Kampagne verwendet.

Nicht der Einsatz von Facebook für die Wahlkampagne selbst, sondern der zusätzliche Datenabzug durch Cambridge Analytica und das nicht erfolgte Löschen der Daten verletzte Facebook-Policies. Deshalb wurde Cambridge Analytica von Facebook gesperrt.

Das Erstaunen und der Aufschrei in der Öffentlichkeit, dass Facebook Benutzerdaten für Kampagnen verwendet, erscheint als Heuchelei und wird als willkommener Anlass für die Schaffung eines Sündenbocks verwendet.

Ein Service wie Facebook, der für die Benutzer gratis ist, verschweigt ja nicht, dass die Benutzerdaten und die von den Benutzern erzeugten Daten für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Das ist weder neu, noch ungewöhnlich, noch geheim. Es steht sogar in den Facebook-Benutzungsbestimmungen drinnen, dem jeder Benutzer vor dem Anlegen eines Profils zustimmt.

Das mittlerweile schon hinfällig bekannte Mantra „Wenn das Produkt gratis ist, dann bist du das Produkt.“ beschreibt es präzise. Es ist ja nicht so, dass wir gezwungen werden Facebook zu benutzen. Es ist ja nicht so, dass Facebook (oder jede andere unserer bevorzugten Social Media Plattformen) uns keinen Wert liefert. Ganz im Gegenteil: wir profitieren mehr davon, als wir zugeben wollen und vermutlich die meisten realisieren. Wer’s nicht glaubt, mache den Selbstversuch und schalte für eine Woche mal davon vollständig ab.

Die Empörung über diese Erkenntnis, dass Facebook die Daten von Benutzern verwendet und damit Geld verdient, ist nun reine Heuchelei. Das wusste jeder und jede. Die Empörung viel mehr bietet den eifrigsten Heuchlern die willkommene Gelegenheit einen Sündenbock für anderes zu schaffen und vom eigenen Versagen abzulenken: nämlich dass Amerika so jemanden wie Trump zum Präsidenten wählen konnte, oder in Deutschland die AfD so stark wurde, oder in Österreich beinahe jemand wie Hofer Bundespräsident wurde und jemand wie Sebastian Kurz die FPÖ wieder in die Regierung brachte.

Es ist einfacher auf Facebook hinzuhauen, als sich selbst an der Nase für die eigenen Unzulänglichkeiten zu nehmen. Anstelle die gelikten oder geteilten Posts vorher zu kontrollieren, schieben wir die Schuld Facebook. Anstelle Rahmenbedingungen zu schaffen, dass in Europa solche Plattformen durch Start-Ups geschaffen werden können, verhindern wir das aktiv durch solche Regulierungen wie General Data Protection Regulation.

Das ist zu viel Aufwand. Wir feiern lieber, dass der Datenschutzaktivist Max Schrems aus Österreich ist, der Facebook vor den Kadi gezogen hat.

„Amerikanische Studenten schaffen Facebook, europäische Studenten verklagen Facebook.“

So wird das nichts werden. Und unsere Heuchelei glaubt uns auch niemand. Das Einzige was uns helfen wird, ist solche Dinge selbst anzupacken und zu schaffen, und nicht die anderen machen lassen und dann lautstark schreien.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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3 Gedanken zu “Die Heuchelei um Facebook und ‚unsere‘ Daten

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