Der gefährliche Mythos von „Wir sind eh gut aufgestellt“

Verdächtig oft höre ich in letzter Zeit von Delegationsreisenden und Industrievertreten, die anlässlich von Silicon-Valley-Reisen oder auf Innovationskonferenzen zu Änderungen in ihrer Industrie sprechen, „wie gut sie selber aufgestellt seien“. So verständlich das noch bei Interessensvertretern von Industrieverbränden sein mag – man will der eigenen Branche ja Mut zusprechen – ist es wenn es vom Management kommt unakzeptabel und gefährlich. Und jedem Jobkandidaten der so eine Aussage beim Bewerbungsgespräch vernimmt, rate ich zum Reißausnehmen. Und hier ist warum.

Beispiel Automobilindustrie

Schauen wir uns als Beispiel die Automobilindustrie an. Bei der Entwicklung autonomer Autos sind die Amerikaner um Welten voraus. Die Zahlen und Fakten sprechen eine so deutliche Sprache, dass die Diskussion gar nicht zu führen ist. Und trotzdem höre ich immer wieder von Delegationen und Industrieexperten, dass man „gut aufgestellt wäre“, auch wenn man hintennach sei, aber die „erste Million an selbstfahrenden Autos wird von den deutschen Herstellern geliefert werden.“

Geht man davon aus, dass die Entwicklung von selbstfahrenden Autos auch umfangreiche Tests auf Teststrecken und auf öffentlichen Straßen erfordert, dann lässt sich anhand der bereits operierenden Testflotten in fast einem dutzend amerikanischer und asiatischer Städte, auf denen schon Millionen an Kilometern abgespult wurden, nur entgegnen: in welchen Städten in Deutschland sind autonome Testflotten im Einsatz? Weiterlesen Der gefährliche Mythos von „Wir sind eh gut aufgestellt“

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Ich bin ein Kaffeehausliterat

Wer durch die Städte Europas reist, kommt nicht umhin Literaturcafés zu besuchen. Nicht nur als willkommene Ruhepause während der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten, sondern auch um den Hauch von literarischer Größe, Geschichte, Anekdoten und Bestsellern einzuatmen.

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Café Central in Wien

Literaturcafés

Das Café Central in Wien oder das nun endgültig geschlossene Café Griensteidl sind solche Plätze, an denen Friedrich Torberg, Peter Altenberg, Karl Kraus, Egon Erwin Kisch oder Hugo von Hofmannsthal ihre literarischen Werke schrieben. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und eine Reihe von Künstlern nannten das Café Hawelka ihr Heim. Im Café de Flore oder dem Les Deux Magots in Paris verweilten Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Und angeblich schrieb Joanne K. Rowling im Café Majestic in Porto die ersten Teile von Harry Potter. Weiterlesen Ich bin ein Kaffeehausliterat

Wie ein Deutscher Immobilienfonds sich vom Silicon Valley inspirieren lässt

„Es gibt keinen Arbeitsauftrag. Fahren Sie ins Silicon Valley und berichten sie uns wie die Leute dort ticken.“ Das war die unübliche Ansage des Geschäftsführers eines in Köln basierten Immobilienfonds, die er seinen beiden Executives auf den Weg gab. Und auf den Weg begaben sie sich im Februar 2017, wo sie ein Monat im Innovationshauptquartier der Welt verbringen sollten.

Das Unternehmen mit knapp über 100 Mitarbeitern ist eine Fondsgesellschaft, die mehrere Milliarden Euro an Immobilienvermögen verwaltet.

„Ohne Arbeitsauftrag kann man nix falsch machen,“ dachten sich die beiden Gesandten und hörten noch den Wunsch ihres Geschäftsführers „… und bringen sie ein oder zwei Unicorns mit“ als sie bereits auf den Weg ins Silicon Valley waren.

Vorbereitung des Silicon Valley Besuches

Einer der Mitarbeiter, der schon ein Highschooljahr in den USA verbracht hatte und immer wieder seinen Urlaub dort verbringt, war sofort von der Aufgabe angetan. Mit Hilfe von ein paar Freunden und anderen Kontakten vor Ort konnten er und sein Kollege einen ersten Plan für den vierwöchigen Aufenthalt erstellen. Zuerst besuchten sie erste Anlaufstellen wie das Hanahaus, den German Accelerator oder den lokalen Innovation Hub The Hive des Axel-Springer-Verlags in Palo Alto.

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Datamobbying, Datenschutzparanoia, und Warum Deutschland bei Künstlicher Intelligenz nichts zu melden hat

Im vergangenen Jahrhundert haben zwei Regime und Ideologien, die aus dem deutschsprachigen Raum stammen, Daten dazu verwendet, um Menschen einzusperren, zu foltern, und zu töten. Ich spreche vom Nationalsozialistischen Reich und von der DDR. Zwei Ideologien die dort sind wo sie hingehören: dem Abfallhaufen der Geschichte.

Dieser geschichtliche Hintergrund macht verständlich, warum man gerade in Deutschland zu Daten – präziser: personenbezogenen Daten – ein solch ambivalentes, wenn nicht gar gestörtes Verhältnis hat. Solche Daten dürfen nur mit Zustimmung der betroffenen Person erhoben werden, müssen auf Wunsch offengelegt werden und für die Person löschbar sein. Das reflektieren die Gesetze, die von der Bundesregierung und der EU erlassen wurden.

Medial prominent beleuchtete Gerichtsfälle wie Max Schrems vs Facebook oder Tatsachen, dass öffentlicher Raum in Deutschland und Österreich nicht oder nur ausgeblendet auf Google Street View angezeigt werden, zeigen, wie sehr diese Bedenken zu Absurditäten führen. Hausfassaden in deutschen Städten werden von Deutschen als privat markiert und müssen von Google verpixelt werden. Österreich hat bis heute kein Street View, weil Google beim Mapping zugleich WLAN-Daten erfasste. WLAN-Daten, die nichts mit personenbezogener Information zu tun hatte, wohlgemerkt.

Besonders absurd wird es, wenn man sich das Cookie-Law zu Gemüte führt. Jede Website in der EU muss einen Hinweis zu erfassten Cookies einblenden, und der Benutzer zustimmen. Ein Cookie, das anonymisiert und nicht personenbezogen ist. Und wehe, es hält sich jemand nicht daran, der wird in Grund und Boden geklagt und öffentlich angeprangert. Mit den Klagen gegen Google, Facebook & Co macht man sehr öffentlich deutlich, dass sich die Bundesregierung und die EU selbst vor diesen Großen nicht fürchten. Gleichzeitig gibt man aber ein verheerendes Signal an die eigenen Start-ups, von denen man so gerne so viel mehr hätte. „Traut Euch ja nicht, irgendwas mit Daten zu machen, oder wir lassen Euch bluten!“

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