Eugene Kleiner: Die österreichischen Wurzeln des Silicon Valley

Wann genau das Silicon Valley seinen Anfang nahm, ist Gegenstand vieler Diskussionen. Manche setzen es an mit dem Beginn des Goldrausch 1848, als ein kleines Kaff namens San Francisco von knapp 1.000 Einwohnern in wenigen Jahren auf 70.000 anschwoll, nur weil auf der Ranch des Schweizer Einwanderers Johann August Sutter ein Goldnugget gefunden worden war.

Andere setzen es an mit der Gründung der Stanford Universität 1891 (die übrigens das deutsche Motto „Die Luft der Freiheit weht“ hat), der Ansiedlung des US Militärs auf dem Moffett Federal Airfield, der Gründung von Hewlett Packard 1931 oder mit dem Ausstieg der Acht Verräter von Shockley Semiconductor Laboratory, die dann Fairchild Semiconductor gründeten.

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Die Acht Verräter: Robert Noyce, rechts, mit Eugene Kleiner, Julius Blank, Gordon Moore, Sheldon Roberts, Jay Last, Jean Hoerni und Victor Grinich

Zu den Verräterischen Acht zählte auch der 1923 in Wien geborene Eugene Kleiner. Er musste 1938 mit seiner Familie aus Österreich vor den Nazis flüchten, und kam zwei Jahre später in New York an. Nach seinem Militärdienst in der US Armee, studierte er an der Polytechnic University of New York und der New York University, an denen er seine Abschlüsse in Maschinenbau und Industrietechnik machte.

Nach seinem Abschluss unterrichtete er zuerst, und begann dann bei Western Electric zu arbeiten. 1956 erhielt er als erster dann das Angebot vom Nobelpreisträger William Shockley, bei der neu gegründeten Shockley Semiconductor Laboratory in Kalifornien anzufangen.

Shockleys Managementstil hielten Kleiner und sieben weitere Kollegen nur ein Jahr aus, und sie machten sich selbständig. Die Art war dabei ungewöhnlich und legte den Grundstein für Kleiners weiteren Lebenslauf. Die 8 Ingenieure verfassten einen Brief und schickten ihn an Arthur Rock, der als Finanzspezialist in New York bei der Hayden, Stone & Company arbeitete. Dort war er auf kleine High-Tech-Firmen spezialisiert, für die er Geld aufstellte. Der dreiseitige Brief der 8 Ingenieure bat um Unterstützung, dass die 8 gemeinsam als Team Unterschlupf bei einer Technologiefirma finden konnten. Gemeinsam wären sie schlagkräftiger, als alleine.

Keiner bei Hayden, Stone & Company konnte damit etwas anfangen, nur Rock begann nachzudenken. Er schlug den 8 vor, dass sie doch selbst ein eigenes Unternehmen gründen und begann sich auf die Suche nach Geld zu machen. Allerdings wollte keiner der mehr als 3 Dutzend angesprochenen Unternehmen und Investoren das riskieren. Diese Art von Vorgehensweise war damals unbekannt. Bis Rock auf Sherman Fairchild stieß, der willig war, das Risiko einzugehen.

Kleiner führte die Acht Ingenieure bei Fairchild Semiconductors an, die die 1,5 Millionen Dollar Startkapital. Seine eigene Erfahrung mit der Gründungsgeschichte des Unternehmens führte ihn dazu sein Aufgabenfeld zu ändern. 1968 investierte Kleiner sein eigenes Geld in das neue Start-up der beiden Kollegen Robert Noyce und Gordon Moore. Der Name des Start-ups: Intel.

1972 gründete Kleiner gemeinsam mit Tom Perkins die Investmentfirma Kleiner Perkins, die heute noch zur erfolgreichsten Venturekapitalfirma zählt. In mehr als 300 Start-ups hatten Kleiner Perkins investiert, darunter Google, Electronic Arts, Flextronics, Intuit, Netscape, Sun Microsystems, Tandem Computers, AOL, Compaq oder Genentech.

Eugene Kleiner war mit der gebürtigen Polin Rose Wassertheil verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte. Eugene Kleiner starb 2003 in Los Altos.

Bekannt wurde Kleiner auch für seine Zitate und Regeln. Hier sind ein paar:

  • Stelle sicher, dass der Hund das Hundefutter essen will. Egal wie bahnbrechend eine neue Technologie ist, oder wie groß der potentielle Markt, stelle sicher, dass die Kunden das Produkt wirklich wollen.
  • Baue ein Geschäftsmodell zur selben Zeit. Die meisten Geschäftspläne sind zu ambitioniert. Fokussiere dich darauf bei der ersten Anstrengung erfolgreich zu sein.
  • Der richtige Zeitpunkt ein Kuchenstück zu nehmen ist wenn der Kuchen gereicht wird.
  • Das Problem mit den meisten Unternehmen ist, dass sie nicht wissen in welchem Business sie eigentlich sind.
  • Selbst Truthähne können in Windböen fliegen. In guten Wirtschaftszeiten schauen auch schlechte Firmen gut aus.
  • Es ist einfacher ein Stück eines bestehenden Markts zu kriegen als einen neuen Markt zu schaffen.
  • Es ist schwierig das Bild zu sehen wenn Du im Rahmen bist.
  • Nachdem sie die Tricks der Branche gelernt haben, glauben manche Leute sie kennen die Branche.
  • Venture Kapitalisten werden niemals aufhören Erfolg zu kopieren.
  • Investiere in Leute, nicht nur in Produkte.
  • Wenn es Geld gibt, nimm es.
  • Es gibt eine Zeitpunkt, wo Panik die angemessene Reaktion ist.
  • Je schwieriger die Entscheidung, desto weniger wichtig ist was man wählt.

Anmerkung: Ein weitere Fairchild Semiconductor-Gründer stammte aus Europa. Jean Hoerni wurde in Genf geboren.

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