Nach dem Silicon-Valley-Besuch: Was jetzt?

Gut hat man sich vorbereitet, hat gelernt, dass man die Silicon-Valley-Blaupause so nicht kriegt, dafür aber viele neue, grundlegende Fragen aufgeworfen bekommt, und trotzdem oder gerade deswegen hatte man eine gute Zeit, die viele Eindrücke und Inspirationen brachte. Die Tage im Silicon Valley motivierten zu immensen Tatendrang, dem Willen die Zukunft mitzugestalten, aber irgendwie kommt es zum Halt. Wie genau soll man nun vorgehen, um das Gelernte umzusetzen und das Momentum nicht zu verlieren?

Genau das sind die Fragen die sich jeder Besucher nach einigen Tagen im Silicon Valley stellt, und hier sind ein paar Tipps, was getan werden kann.

Todo-Liste

Noch auf dem Weg zurück zum Flughafen sollten Todos verteilt werden. Durch die Notizen aus der Besuchswoche gehen, aufteilen wer was bis wann macht. Und vor allem: gleich am Dienstag sollte sich dieselbe Gruppe daheim zusammensetzen und eine Stunde durch die nächsten Schritte gehen.

Gruppenpräsentation

Noch in derselben Woche – wenn die Eindrücke noch am frischesten sind – sollte jeder der Teilnehmer vor seiner Abteilung eine kleine Präsentation halten. Bilder vom Aufenthalt, die wichtigsten Eindrücke, zum Mindset berichten, mögliche Bedrohungen und Chancen aufzeigen. Auch darüber sprechen, welche neuen Methoden sich die Gruppe aneignen sollte, um sich für die Zukunft vorzubereiten.

Innovationssalon

Innerhalb eines Monats sollten die Teilnehmer einen Innovationssalon ins Leben rufen. Darunter ist ein informelles ein- bis zweistündiges Treffen zu verstehen, bei dem auf firmeninternen Anschlagbrettern jeder Mitarbeiter dazu eingeladen wird, zu einem Gedankenaustausch teilzunehmen. Der Salon kann zeitlich dabei so gelegt werden, dass er im ersten Schritt nur wenig mit den geschäftigen Arbeitszeiten kollidiert. Entweder zur Mittagszeit, indem man Brötchen oder Essen in einen Besprechungsraum mitbringt und sich dort trifft, oder knapp vor Dienstschluss. Der Effekt ist, dass in der ersten Zeit der Tagesablauf nicht gestört wird, und man gleichzeitig diese Kollegen in die Meetings lockt, die besonders an Innovation interessiert sind.

Themen die dabei besprochen werden können sollten flexibel gestaltet und offen sein für eine Bandbreite, von besseren Produkten, Produktionsprozessen, Vorgehensweisen, neuesten Trends die von außen auf das Unternehmen zukommen, interessante Trends die im ersten Moment keinen Bezug zur eigenen Branche haben und ähnliches. Das kann in einem unstrukturierten Rahmen passieren, oder indem Teilnehmer ein Thema für einen kurzen Vortrag aufbereiten. Beispielsweise „Was bedeutet Künstliche Intelligenz für uns im Produktionsprozess?„, „Fahrerlose Autos in der Logistik?“ etc.

Dieser Salon soll zu eine regelmäßigen Fixgröße werden und alle zwei Wochen oder monatlich abgehalten werden. Die Teilnehmerzahl wird dabei schwanken, und viel der Energie wird anfänglich von den Organisatoren abhängen. Was auf alle Fälle steigen wird ist die informelle Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen.

Innovationsveranstaltung

Innerhalb von drei Monaten nach dem Silicon-Valley-Besuch sollte eine firmenweite, halb- bis ganztägige Innovationsveranstaltung abgehalten werden, bei der auch externe Sprecher eingeladen werden. Idealerweise sind das Personen aus dem Innovationsumfeld, die auch beispielsweise von befreundeten Unternehmen sein können.

Fand der Besuch im Silicon Valley mit einer gemischten Gruppe aus verschiedenen Unternehmen statt, dann ist das zugleich auch das erste Netzwerk aus dem man Redner gewinnen kann.

Explizit sollen zu dieser Veranstaltung alle Mitarbeiter eingeladen sein. Innovation ist Aufgabe aller Mitarbeiter, und nicht einer „kreativen Abteilung“.

Hackathon

Eventuell kann die Innovationsveranstaltung als Beginn oder besser Endpunkt eines Hackathons verwendet werden. Ein Hackathon ist dabei ein firmenweiter Wettbewerb, bei dem ein definierter Aufgabenbereich vorgegeben wird, beispielsweise „mobile Apps für Kundenservice“ oder „medizinische Geräte der Zukunft“, also etwas das im Aufgabenbereich des Unternehmens liegt, und alle Mitarbeiter eingeladen sind, Ideen einzureichen, Teams zu formen, und bei der Innovationsveranstaltung im Rahmen einer Demojam – ein Finale mit Jury – ihre einfachen Prototypen zu präsentieren und demonstrieren.

Neuerlicher Silicon-Valley-Besuch

War man selbst nur eine Art Vorhut um das Silicon Valley zu erkunden, kann es nun Sinn machen mit einer größeren Gruppe oder einem Managementteam nochmals zu kommen. Dabei können auch schon konkreter Ziele angepeilt werden.

Hinweis: auch den Betriebsrat einbinden. Ich habe noch nie Betriebsräte unter den Delegationsteilnehmern gehabt, es ist aber wichtig auch Arbeitnehmervertreter mitzunehmen.

Innovation Outpost

Ein Innovation Outpost dient dazu im Silicon Valley präsent zu sein und direkt an den neuesten Trends dran zu bleiben. Von so einem Outpost können Trends erforscht, Kontakte gepflegt, neue Methodologien gelernt und Technologien gescoutet werden.

Workshops

Ein Besuch im Silicon Valley macht auch oft klar, dass es neue Methodologien wie Design Thinking, Business Model Canvas, Foresight Thinking und ähnliches gibt. Diese können in Workshops erlernt werden, für die ich gerne bereit stehe. Einfach eine E-Mail an mich.

Schlussfolgerung

Was auch immer angegangen wird, wichtig ist es das Momentum nicht zu verlieren. Nicht erst mal lange Berichte schreiben, sondern loslegen. Informelle Salons machen, Kollegen finden die genauso interessiert sind, externe Vordenker identifizieren und zu einem Kaffee und Vortrag einladen. Nach einiger Zeit wird sich das herumsprechen, und Management Interesse daran haben, Meinung zu Themen und Trends aus dieser Gruppe zu hören. Wichtig ist, dass Dinge angestoßen werden und nicht erst durch langwierige Entscheidungsprozesse laufen und Berichte geschrieben werden.

Schafft man das, dann hat sich ein Silicon-Valley-Besuch ausgezahlt und war nicht nur ein Tourismusprogramm für ‚Alphatiere auf Safari‚.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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2 Gedanken zu “Nach dem Silicon-Valley-Besuch: Was jetzt?

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