Die Silicon-Valley-Blaupause

Besucher der Innovationskapitale der Welt haben unterschiedliche Gründe warum sie kommen. Die meisten sind hier um San Francisco zu erleben und in das Gefühl einzutauchen für das es steht. Das sind die Touristen.

Doch dann gibt es jene Besucher, die kommen, weil Innovation ein heißes Thema ist. Nicht alle von ihnen kommen mit den gleichen Zielen. Einige kommen, damit sie eine schöne Lustreise auf Firmen- und Staatskosten erleben. Das sind oft Beamte und Mitarbeiter staatlicher oder staatsnaher Organisationen. Ist noch ein Minister oder sonstiger ranghoher Politiker dabei, dann geht es noch um die Gelegenheit, sich vom mitgereisten Medientross bei den Firmenzentralen von Unternehmen wie Google oder Facebook ablichten zu lassen, vielleicht auch noch einen der legendären Firmengründer die Hand schütteln zu lassen. Diese Besucher sind die unnötigsten, 95 von 100 dieser Besuche führen zu nichts, und im Silicon Valley sind die Leute mittlerweile schlecht auf diese Besuche anzusprechen.

Die andere Art von Leuten kommt um sich inspirieren zu lassen, neue Wege für sich und das Unternehmen zu finden, und um Geschäfte anzubahnen. Und das sind die interessanteren Personen, die lernen wollen, und sich vielleicht auch durch Einlesen in das Thema vorbereitet haben. Manchmal kommen sie mit bestimmten Vorstellungen und Erwartungen, doch das kann das Verstehen des Silicon Valley verhindern.

Dabei sind einige der Besucher sehr motiviert, rasche Resultate zu sehen. Wie man es aus dem eigenen erfolgreichen Berater- oder Executive-Leben so gewohnt ist, muss es zackzack gehen. Sag mit Dein Geheimnis, gib mir die Schritt-für-Schritt-Anleitung, und wenn das nicht gleich kommt, dann gibt es Stunk für die Organisatoren. Dabei übersehen die Teilnehmer viele wichtige Dinge. Das Verhalten der Gastgeber, die kleinen Details auf den Straßen, die Technologien die sich überall verstecken, das Miteinanderumgehen, die bewusste Auswahl der Worte. Das Bling-bling sieht man sofort, die Nuancen nur sehr schwer, aber genau um die geht es. Und die krampfhafte Suche nach raschen Antworten erschwert das Erkennen.

Silicon-Valley-Blaupause der Innovation? Die gibt es nicht…

Für uns sind solche Personen diejenigen, die am meisten davon profitieren werden, aber nicht in der Weise, wie sie es erwartet haben. Die Überraschung ist nämlich, dass es die Silicon-Valley-Blaupause der Innovation nicht gibt. Es gibt keine Anleitung, wie man Innovation und das Mindset Schritt-für-Schritt in die Heimat oder die eigene Firma überträgt.

Und das beginnt mit dem Verstehen, dass man nicht auf der Suche nach Antworten, sondern nach den richtigen Fragen ist. Nämlich den Fragen nach der eigenen Existenzberechtigungen. Derjenigen des Unternehmens und des persönlichen Lebenszweckes. Von der Art „Wie geht das?“ zu „Warum tue ich das überhaupt?“

Dieser Moment der Erkenntnis bezeichnen wir als ‚das Brechen‘ der Teilnehmer. Unser Ziel ist es, solche Besucher von der Suche nach Antworten auf die Suche nach den richtigen Fragen zu bringen. Meistens passiert das am zweiten Tag, die besonders Widerspenstigen brauchen bis zu vier Tage. Und das ist für die Teilnehmer ein sehr schmerzhafter Prozess.

Schweiß, Blut und Tränen

Anfänglich kam uns die Unzufriedenheit der Teilnehmer als Überraschung.Wir wurden mit Vorwürfen wie diesen konfrontiert:

„Das Programm ist nicht dicht gedrängt genug.“
„Vier Besuche pro Tag ist nicht ausreichend.“
„Den halben Tourismustag zur Hälfte einer ganzwöchigen Tour braucht man nicht, man ist ja nicht hier um Urlaub zu machen.“
„Wir wollen mehr von diesen Terminen mit Gesprächen.“
„Wozu war der Besuch bei diesem Unternehmen / dieser Person notwendig?“
„Erklärt uns nach jedem Termin, was wir daraus lernen und bei uns anwenden können!“

Nach über vier dutzend Delegationen sind wir weder überrascht, noch vermeiden wir genau diese Unzufriedenheit. Wir suchen sie geradezu. Diese Aussagen zeigen, dass wir einen Nerv getroffen haben, der den Leuten zu schaffen macht. Und oft am zweiten Tag schlafen die Teilnehmer im Auto ein. Sind geschafft von den Eindrücken. Ihr Hirn arbeitet auf Hochtouren. Dinge denen sie vorher abschätzig gegenüberstanden oder gar nicht beachten wollten, dämmern ihnen als der Kern des ganzen Erlebnis, des Verstehens.

Vom Kritiker zum Fan

Wir hören uns diese Beschwerden an, versuchen valide Kritik zu verbessern, aber im Kern bleiben wir dabei. Und am Ende sehen wir immer, dass wir recht behielten. Die größten Nörgler werden zu den glühendsten Fans. Die Tour hat ihr Leben geändert. Und das muss man erfahren, das kann man nicht nur einfach wo lesen.

Wir sind nach wie vor in Kontakt mit vielen unserer Tourabsolventen, und was sie seither geschaffen haben ist uns Motivation, vielen anderen das Silicon Valley näher zu bringen. Nicht die Blaupause, denn die gibt es nicht.

Mehr zum Thema:

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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4 Gedanken zu “Die Silicon-Valley-Blaupause

  1. Hallo Herr Dr. Herger,
    ich ahnte ja gar nicht, wie sehr Sie Recht haben. Auf der Suche nach dem Warum meiner unermüdlichen Neugier und ständigen scheinbaren Unzufriedenheit stieß ich irgendwann auf Ihr Buch. Ich habe es in drei Tagen verschlungen! Auf diesem Wege möchte ich von weiter Ferne hier in Deutschland einfach nur DANKE sagen! Danke für die zahlreichen Impulse, Inspirationen und Antworten auf mein Warum. Sie haben mich mit Ihren Worten sogar soweit berührt, dass ich den Entschluss gefasst habe, mich selbständig zu machen. Erste Recherchen, Interviews und Testläufe geben uns Recht: unser Workshop könnte die Menschen und ihr Denken positiv verändern. Nebenbei schreibe ich auf unserem Blog ‚khiwablog‘ und versuche ein Stückweit unseren Mindset vorwiegend an Frauen zu vermitteln. Wir glauben, dass hier noch ganz viel ungenutztes Potential schlummert. Aber Sie haben Recht mit Ihrem Beitrag, die Denke ist in Deutschland eine Andere. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich dies mit den jungen, nachrückenden Generationen in den nächsten Jahren ändern wird. Wir werden unseren Beitrag dafür leisten.
    Aus tiefstem Herzen, mit ganzer Überzeugung und großer Dankbarkeit die besten Grüße,
    Ewa

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