Deutsche Firmenkultur und Ethik am Beispiel Volkswagen

In einem vernichtenden Bericht unter dem Titel VW’s Plot to Cheat America Revealed (Enthüllt: Volkswagens Plan wie Amerika betrogen werden sollte) lässt MSN kein gutes Haar an der deutschen Autoschmiede. Und es handelt sich um keinen geheimen Plan der Amerikaner die armen Deutschen nieder zu machen und der heimischen Industrie zu dienen, zu eindeutig sind die offengelegten Volkswagen-Dokumente. Und sie zeugen von einem erschreckenden Bild der Kultur bei Volkswagen, wie MSN aus den vor dem New Yorker Gericht gebrachten Akten zitiert.

Über Jahre hinweg wurde bei den Emissionstests von Dieselmotoren nicht nur bei den Volkswagenmodellen, sondern auch bei Porsche und Audie geschummelt. So weit, dass die wahren Werte bei Stickoxiden vierzig(!) Mal so hoch waren wie erlaubt. Hier ein Auszug:

Das Management erwägte sehr genau welche Kosten auf Volkswagen zukommen würden, wenn sie dabei erwischt würden. Bei der Analyse früherer Fälle von Verstößen bei Umweltregulierungen bei Autoherstellen in den USA wurde vorhergesagt, dass mögliche Strafen ’nur ein geringes Kostenrisiko‘ darstellten. Sie führten die höchsten Strafen, die gegen Hyundai/Kia verhängt wurden, mit knappen 91 Dollar pro Auto an und fügten hinzu, dass Strafsummen in diesem Ausmaß nicht auch nur annähernd einen Einfluss auf den Aktienkurs eines globalen Unternehmens wie Volkswagen hätte. [..]

Im Verlauf von 10 Jahren entwickelte VW sechs Generationen von Schummelvorrichtungen. Diese Vorrichtung erkannte ob ein Abgastest stattfand oder nicht. Nur im Testfall wurden die Abgasreduktionsmaßnahmen vollständig eingeschaltet und zeigte damit viel weniger an Schadstoffemissionen an als im Normalbetrieb. Die Gerichtsakten listen auch auf wie weit Volkswagen ging , dass das Schummeln nicht aufgedeckt wurde. Selbst das Onboard Diagnose-System (OBD) der Autos war so programmiert, dass es vorsätzlich falsche Werte anzeigte.

Als dann das California Air Reserve Board (CARB) misstrauisch wurde und mehr Unterlagen und Erklärungen forderte, zugleich die 2016er Diesel-Modelle sich in den Lagerhallen stapelten und nicht freigegeben wurden, und schließlich das CARB Zugriff auf ein 2016er Modell erhielt und testete, fiel das System in sich zusammen.

Ein hochrangiger Volkswagenanwalt empfahl mehreren Mitarbeitern dass ein Gerichtsverfahren bevorstand, das es unmöglich machen sollte Dokumente zu löschen oder zu vernichten. Eine Gruppe von acht Mitarbeitern in allen Abteilungen die darin involviert waren die Schummelvorrichtung zu entwickeln vernichtete daraufhin alle belastenden Firmendokumente.

Als höchstrangiger Angeklagter wird VW-Manager Martin Winterkorn gelistet, der von 2002-2007 Audi-Chef war, während der Zeit als die erste Schummelvorrichtung entwickelt worden war, und VW-Chef von 2007 bis 2015.

„Einige, aber nicht alle Dokumente konnten wiederhergestellt werden“, sagen die Gerichtsakten. Zur selben Zeit wurden der VW-Vorstand – die neun Männer die die Vorbereitung, Durchführung und Verheimlichung des Betrugs beschlossen und beaufsichtigt hatten und dann zu dem nachfolgenden PR-Debakel führten, wurden mit 70 Millionen Dollar an Bonuszahlungen für das Jahr 2015 allein belohnt.

Der ausführliche Bericht kann MSN kann hier (in Englisch) nachgelesen werden.

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