Stanford Wachroboter verletzt Kind

Wer’s nicht wusste: das Stanford Shopping Center hat nicht nur einen, sondern gleich zwei Wachroboter die auf Streife gehen. Diese 140 Kilogramm schweren und wie eine überdimensionierte Zwergenmütze aussehenden Roboter patrouillieren seit einem halben Jahr im Einkaufszentrum. Aber keine Sorge: sie sind nicht bewaffnet und sie sind so langsam, dass sie mit einem Dieb nie Schritt halten könnten. Womit sie aber ausgestattet sind sind Kameras, die im Fall der Fälle an eine Zentrale Meldung von verdächtigen Verhaltensweisen geben können. Und damit können sie auch in Ecken fahren, die man nicht alle mit Überwachungskameras abdecken kann.

Eingebaut haben sie auch Sensoren, die Hindernisse erkennen. Kinder und Erwachsene finden ihren Gefallen daran, vor die Roboter zu treten und sie anzuhalten. Wer sich je in der Shopping Mall aufgehalten hat, kann sehen dass die Roboter nie alleine sind, sondern immer einen Schwarm an Interessierten um sich sammeln. Damit kommen sie eigentlich auch nie zum Herumfahren, weil wieder mal jemand ausprobieren will, ob der Wachroboter stehen bleibt.

Umso erstaunlicher ist deshalb die Meldung, dass ein sechzehn Monate alter Junge mit dem Kopf gegen den Roboter schlug und von ihm teilweise überfahren wurde. Der Mutter des Jungen zufolge blieben einige Schrammen am Bein und Tränen.

Ohne dabei gewesen zu sein, Videoaufzeichnungen gesehen oder unabhängige Augenzeugenberichte zu haben , muss man dazu aber mal einiges analysieren:

  1. in Roboter muss erkennen können, ob er ein Lebewesen verletzt. Wenn der Roboter wirklich über den Jungen gefahren ist und nicht bemerkte, so müssen der Hersteller weitere Sicherheitssensoren einbauen und Algorithmen ändern.
  2. wer je den Roboter live gesehen hat, weiß wie langsam er sich bewegt und normalerweise auch sofort stehen bleibt. Entweder war der Junge zu klein oder der Sensor defekt und hat ihn deshalb nicht erkannt. Das muss also korrigiert werden.
  3. wo waren die Eltern? Wie immer bei Maschinen die sich bewegen – unabhängig davon ob sie sich autonom bewegen oder von Menschen gesteuert werden – es ist ein Sicherheitsabstand einzuhalten und die Eltern in die Verpflichtung zu nehmen.

Nicht erst heute sind wir gezwungen uns mit sicheren Verhaltensweisen zu beschäftigen. Mit dem Aufkommen des Automobils um 1900 waren Unfälle an der Tagesordnung. Fehlende Verkehrsregeln, die ungewohnte Geschwindigkeit, mangelnde Fahrausbildung und schon hatte man Unfallraten die einem heute die Haare zu Berge stehen lassen. Gerade Kinder waren unter den Opfern zahlreich. Erst nach Abhaltung zahlreicher Sicherheitsparaden, bei denen u.a. zehntausend Kinder als Geister verkleidet die dieses Jahr getöteten Kinder darstellten, gefolgt von Müttern die ein Kind durch einen Verkehrsunfall verloren hatten, kam es zu Änderungen. Verkehrsgesetze wurden erlassen, Führerscheinprüfungen eingeführt und in Schulen sicheres Verhalten im Straßenverkehr gelehrt.

Genau das brauchen wir im Umgang mit Robotern und autonomen Systemen. Das beschränkt sich nicht nur auf ein Verhalten das die Menschen sicher sein lässt, sondern auch die Roboter. Wie sich herausstellt ziehen Roboter das Interesse von Kindern geradezu magnetisch an. Und Kinder beginnen bei fehlender Aufsicht von Erwachsenen die Roboter zu misshandeln. Ein Video japanischer Roboterforscher zeigt, welche Taktik ein Wachroboter in einem Einkaufszentrum wählt, sobald er bemerkt, dass Kinder in seiner Nähe sind: er flüchtet zu Erwachsenen.

Ähnliches Verhalten von Kindern (und Erwachsenen) habe ich bei den Wachrobotern in Stanford selbst erlebt. Kinder laufen nicht nur zum Roboter, sie stellen sich ihm in den Weg, berühren ihn, und schlagen(!) ihn. Und das haben unzählige Erwachsene in Kostümen als Maskottchen verkleidet auf Kinderpartys auch schon erlebt. Kinder fühlen einen unbändigen Drang diese zu attackieren und werden teilweise von den eigene Eltern sogar dazu ermutigt.

Aufgrund des beobachteten Verhaltens von Kindern um den Roboter in der Vergangenheit, der Form und dem Verhalten des Roboters selbst, kann ich mir nicht vorstellen, dass er dem Jungen auf den Kopf schlug. Er hat gar keine abstehenden oder beweglichen Gliedmaßen. Vermutlich ist der Kleine voll Begeisterung auf den Roboter zugelaufen und gestolpert und hat sich den Kopf angeschlagen.

Wie auch immer: der Hersteller Knightscope aus Mountain View muss sich den Fall ansehen und gegebenenfalls Maßnahmen setzen, und die Eltern des Kleinen sollten mehr auf ihn aufpassen und lehren, wie man sich in der Nähe von Maschinen zu verhalten hat.

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