Warum selbstfahrende Autos so stockhäßlich sind

Schön sind sie nicht. Schnittig sehen sie nicht aus. Geben wir’s zu: sie sind hässliche Kröten. Wir reden über die selbstfahrenden Autos von Google. Sie ähneln diesen kleinen Buggy-Autos für Kinder, die in den knalligen Farben daher kommen. Und Google scheint das noch zu betonen, indem sie knallig bunte Folienkunst an den Seitentüren der Autos anbringen. Aber warum sind sie eigentlich so hässlich? Hat Google keinen Sinn für Design?

Und es stimmt, sie sind hässlich. Und müsste man sich beim Kauf entscheiden, würden wir sicherlich nicht das Google Auto wählen. Wir dürfen aber nicht übersehen, dass sich das Produkt Auto ändert. 100 Jahre lang war das gängige Geschäftsmodell, dass wir ein Auto kauften und exklusiv benutzten. Wir mussten uns um den Parkplatz sorgen, die Wartung des Fahrzeugs, ums Tanken und die Bezahlung aller Gebühren. Ein nicht unwesentlicher Teil des Haushaltsbudgets geht für den fahrbaren Untersatz drauf. Vor allem Städten mit Parkplatzknappheit und Verkehrsstaus verschärfen sich die Herausforderungen die an den Autobesitz gehen. Kein Wunder, dass viele Städter bereits darauf verzichten oder darauf verzichten wollten, gäbe es eine einfache und bequeme Lösung.

Und die kommt mit autonomen Fahrzeugen. Diese sind nicht der einzige Innovationsschub. Sharing-Services wie Uber oder Lyft ermöglichen es Stadtbewohnern relativ rasch, bequem und günstig sich in der Stadt zu bewegen. Selbst wenn ich ein Taxi statt einem Uber verwende, welche Art von Auto mich da transportiert wird nebensächlich. Ob ich zehn Minuten in einem Prius oder Mercedes sitze ist egal, genauso ob es rot, gelb oder dunkelblau ist. Wichtiger ist, dass ich schnell und sicher zum Ziel kommen, und auf dem Weg mein Smartphone aufladen kann. Autonome Fahrzeuge werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest in Stadtgebieten nicht mehr von individuellen Konsumenten besessen werden, sondern von Transportunternehmen. Das Aussehen des Wagens wird nebensächlich.

Autonome Fahrzeuge aber sind Roboter. Was denken wir über einen schwarzer Wagen mit getönten Scheiben der an einer Kreuzung steht und den Motor aufheulen lässt? Wir sind uns sicher, dass da ein Arschloch am Steuer sitzt. Wenn so aber ein autonomes Auto aussieht und den Motor aufheulen lässt, dann fühlen wir uns mulmig. Gedanken an Terminator kommen uns in den Kopf. Wir fürchten uns vor dieser Technologie und versuchen sie zu vermeiden.

Sieht ein Fahrzeug hingegen so niedlich und unbedrohlich aus wie Googles Minicar, dann ist die Schranke es zu verwenden viel niedriger. Wir haben keine Angst mehr davon. Ich werde eher damit interagieren und es benutzen als wenn es sich bedrohlich verhält und Angst einflößend aussieht. Die Anforderungen an das Autodesign ändern sich damit plötzlich. Nicht mehr schnittig und cool, sondern niedlich und komfortabel sind gefragt.

Das kugelige Design von Googles Minicar bringt aber noch einen weiteren Vorteil. Es erlaubt allen Sensoren die für den autonomen Betrieb notwendig sind um das Auto herumzuschauen und keine toten Winkel durch Fahrzeugaufbauten und Designelementen zu haben. Dass die Frontpartie des Fahrzeugs wie ein Gesicht aussieht, ist nichts Überraschendes oder Neues. Auch heutige Fahrzeuge versuchen eine freundlich erscheinende Frontpartie zu erzeugen. Die Frontpartie kann dabei nicht nur optisch als Designelement die Form eines Gesichts annehmen, sondern auch zur Kommunikation mit Fußgängern verwenden. Wohin nämlich schaut man, wenn man einem selbstfahrenden Fahrzeug an der Straßenkreuzung gegenübersteht? Nicht mehr ins Gesicht des menschlichen Fahrers, sondern irgendwo auf etwas gesichtsähnlichem oder einer Anzeigetafel auf Front oder Seite.

Aus diesen Gründen ändern sich die Designanforderungen an ein selbstfahrendes Auto, das durch ein Sharingmodell verwendet wird. Ein schnittiges aussehendes Fahrzeug kommuniziert vor allem eines: das ist kein selbstfahrendes Fahrzeug, und damit alte Technologie. Der Fahrer muss also ein älteres Semester sein, das in der Technologieentwicklung hinten nach geblieben ist. So wie wir heute mit einem Klapptelefon vor allem mit Rentnern assoziieren.

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