Der Silicon-Valley-Kanzler

Erst ein paar Stunden im Amt als österreichischer Bundeskanzler ging Christian Kern in seiner Regierungserklärung auf das Programm und seine Ziele ein. Sehr erfreulich war dabei, dass er in seiner Vision das Silicon Valley und den Apple-Gründer Steve Jobs erwähnte.

Ende März besuchte er – damals noch als ÖBB-Chef – gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen eine Woche lang das Silicon Valley um Inspiration und Ideen zu erhalten. Gekommen war er mit dem Wissen, dass die ÖBB gut dastanden, und sie gute Schritte gesetzt hatten. Doch es schwante ihm, dass diese Schritte in Zukunft wohl nicht ausreichen würden und sie größere nehmen müssten. Nun ja, das Endergebnis war, dass sie zur Überzeugung kamen sogar noch größere Schritte zu machen und noch schneller gehen sollten. Diesen Eindruck hatten sie bereits nach der ersten Hälfte des Besuchs erhalten, als ich mich mit ihnen beim Abendessen im Roka Akor in San Francisco traf.

Und dazu muss ich offenlegen, dass ich ein Eisenbahnerkind bin und vermutlich mehr Eisenbahn im Blut habe, als der gesamte Vorstand. Mein Vater verbrachte 40 Jahre bei den ÖBB, und sowohl Groß- als auch Urgroßvater waren schon bei der Bahn.

Was mich zurückbringt zu den ersten öffentlichen Auftritten von Christian Kern. Etwas was mir auffällt wenn ich nach Wien komme – und das war dieses Jahr bereits zweimal – ist die Vergangenheitsfokussierung des Landes. Die Buchhandlungen quellen über mit Geschichtsbüchern. Bücher die über die Zukunft sprechen sind wenn vorhanden meistens gut versteckt. Gerade heuer anläßlich des 100. Todesjahres des ‚alten Kaisers‘ sticht das hervor. Mir als jemand der seit fast 18 Jahren nicht mehr in Österreich lebt und seit über 14 im Silicon Valley sticht das besonders ins Auge.

Deshalb fand ich den Kerns Satz vom „Schauspiel der Machtversessenheit und Zukunftsvergessenheit“ so spannend. Bei der Rückwärtsgewandtheit vergessen wir gerne die Zukunft. Noch dazu wo wir dem Kaiser eigentlich gar nicht nachtrauern sollten.

Das hörte sich also schon sehr gut an. Und die Regierungserklärung enthielt dann noch weitere Zuckerln für jemanden wie mich, der seit Jahren den Besuchsdelegationen aus Österreich predigt, doch endlich vemehrt mit dem Silicon Valley etwas zu tun um davon zu profitieren. Und das soll keine Einbahn sein. Österreich hat – entgegen dem was Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl bei einer Rede in Stanford sagte – nicht „Nothing“ dem Silicon Valley zu lehren und zu geben, sondern sehr viel. Und das klingt auch in der Regierungserklärung von Christian Kern an:

„Und ich kann Ihnen sagen, ich habe vor kurzem die Gelegenheit gehabt in Kalifornien, mich im Silicon Valley, mit einer Reihe von Unternehmen zu unterhalten. Und es gibt in Europa Erfolgsbeispiele, die man dem gegenübersetzen kann. Wir brauchen uns da nicht fürchten. Wir brauchen keine Angst haben. Wir haben das Potential, ähnliche Erfolgsgeschichten zu schreiben. Und bei dieser Reise in das Silicon Valley ist in diesen zehn Tagen, die wir dort mit unseren Partnern verbracht haben, ein einziges Mal der Name eines europäischen Unternehmens genannt worden. Und das war die Firma Herrenknecht. Dazu muss man wissen: Das ist ein deutsches Unternehmen, das Tunnelbaumaschinen produziert mit österreichischen Zulieferern und österreichischen Kunden. Und diese Geschichte sollte uns zuversichtlich machen, denn dahinter steckt ja ganz etwas anderes. Nämlich, dass wir in Europa, dass wir in Österreich in bestimmten Sektoren unglaubliche Stärken haben. Und diese Stärken zu stärken, das muss unser Bild sein. Das ist der Maschinenbau zum Beispiel. Das ist der Automotiv-Sektor, das ist die Energietechnik, wo wir eine Basis haben, eine Position der Stärke hier konsequent auszubauen. Es geht um die Vernetzung von öffentlichen und privaten Investitionen. Es geht um die Verbindung von Unternehmen, die in die Grundlagenforschung gehen. Es geht um Unternehmen, die diese letztlich anwenden. Wir müssen unsere Hochschulen darauf abstimmen. Wir müssen den gesamten politischen Rahmen darauf abstimmen.“

Er ist dabei nicht das einzige Regierungsmitglied, das in den letzten Monaten im Silicon Valley war. Auch Außenminister Sebastian Kurz kam mit einer Gruppe an Start-up-Gründern her, ebenso wie der damalige Minister für Verkehr, Innovation und Technologie und nunmehrige Arbeits- und Sozialminister Alois Stöger. Gemeinsam mit den unzähligen Beamten, Behördenmitarbeitern aber auch Unternehmenschefs und Start-up-Gründern die in den vergangenen Jahren vorbei kamen sollte eine Grundlage gelegt worden sein, die uns ausreichende Erkenntnis geben, dass wir uns in die Zukunft orientieren müssen. Die Talente, das fachliche Wissen, die Technologie haben wir, jetzt gilt es auch zu wollen. Und der Einfluss den das Silicon Valley auf Wirtschaft, Politik, Recht, und Gesellschaft hat, sollte uns aktiver mit dieser Innovationsregion im Austausch halten. Es muss uns wichtig sein, näher dran zu bleiben und gegenseitig davon zu profitieren.

Hoffen wir, dass nun tatkräftig vorgegangen wird, um das Land zurück in die Zukunft zu führen.

„It takes a village to raise a child!“

So wie ein Start-up-Gründer die Hilfe des ganzen Umfeldes benötigt um erfolgreich zu sein, so benötigt eine neue Regierung die Hilfe der Bürger um es zu schaffen. Und dazu sollten wir beitragen um unser Land für unsere und deren Kinder lebenswert zu erhalten.

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