Was wir von Googles Alphabet-Firmenstruktur lernen können

Vor ein paar Wochen übernahm Google kurzfristig Apple als das wertvollste Unternehmen. Wie gelang Google das? War ein neues Produkt herausgekommen? Hatte Apple einen drastischen Fauxpas begangen? Die Antwort ist etwas komplexer und dazu müssen ausholen und die Hintergründe für die Googles neue Firmenstruktur betrachten.

Im vergangenen August überraschte Google mit der Ankündigung das Unternehmen weiträumig umzustrukturieren. Eine Holding namens Alphabet unter der Leitung von Larry Page wurde geschaffen, unter der Google eine von mittlerweile elf Einheiten ist. Neben Google (mit neuem CEO) zählen dazu unter anderem:

  • Calico – eine Gesundheitseinheit die danach strebt Leben zu verlängern
  • Verily – „smarte“ Kontaktlinsen
  • X – der Forschungszweig unter sich auch die selbstfahrenden Fahrzeuge oder das Energiestartup Makani befinden
  • DeepMind – Künstliche Intelligenz, die gerade mit AlphaGo den regierenden Go-Weltmeister geschlagen hat
  • Access – Breitbandinternet
  • Boston Dynamics – Roboter
  • Jigsaw – Think Tank

Was hat das bisher gebracht? Zumindest eines, und das interessiert vor allem die Aktionäre: es wurde viel transparenter, welche Einheit wieviel verdient bzw. Geld verliert. Dabei wurde ersichtlich dass Googles Kerngeschäft in der Suchmaschine und die Werbung um 18% stieg und sich 2015 auf 74,5 Milliarden Dollar belief. Weil gleichzeitig mit der Umstrukturierung die Ausgaben in Höhe von drei Milliarden Dollar zu den jeweiligen neuen Einheiten verschoben wurden, ist die Profitabilität von Google selbst gestiegen, während alle Alphabet-Unternehmen zusammen ohne Google Erträge von 448 Millionen Dollar hatten, und damit massiv Geld verlieren.

Doch warum stieg der Aktienpreis so stark an, dass Google die Führung von Apple übernehmen konnte? Und warum machte Google diese Umstrukturierung?

Ein wichtiger Grund ist Googles Furcht vor der Verlust der Innovationskraft durch die Dominanz der Cash Cow Suchmaschine und Werbung. Wenn alle Anstrengungen sich um diese zentrale Einheit anpassen müssen, wird zu kurzfristig und eng gedacht. Alles muss der Suchmaschine zuarbeiten. Andere Unternehmen hatten genau dieses Problem. Bei Microsoft drehte sich alles um das Office-Paket, das eine Lizenz zum Gelddrucken war. Damit aber schienen alle anderen Anstrengungen insignifikant. Bing hat noch nie Geld verdient. X-Box ist mehr als Hobby zu betrachten und auch die Erträge der anderen Divisionen verblassen im Vergleich zu Office.

Auch wenn viele Alphabet-Initiativen noch wenig gebracht und vor allem Geld gekostet haben, darf der Werbefaktor nicht unterschätzt werden. Die drei Milliarden an Ausgaben in diese Moonshot-Projekte von Projekt Loon (Internetzugang von Ballons), Selfdriving Cars, oder Makani sind äquivalent mit einer Werbekampagne. In diesem Fall steckt Alphabet aber das Geld nicht in direkte Werbung, sondern macht etwas damit. Und der Coolnessfaktor ist gewaltig. Google wird dadurch für jeden Experten den Google haben will attraktiv.

Google / Alphabet gewinnt mit der Umstrukturierung an mehreren Fronten:

  • Ausgaben und Einnahmen werden über die Einheiten hinweg transparenter;
  • Die Einheiten bleiben kleiner und damit schlagkräftiger um Innovation voranzutreiben;
  • Die Einheiten sind unabhängig und müssen nicht der Suchmaschine (Google) Vorrang geben;
  • Jede Einheit wird von separaten Führungskräften und Experten geleitet ohne den Verwaltungsaufwand eines Großunternehmens;
  • Damit wird das Unternehmen auch für die Experten interessant, die eigentlich nicht in einem Großunternehmen arbeiten wollen;

Was wir hier sehen ist ein interessantes und massives Experiment das anderen als Vorlage dienen könnte, wie selbst große Unternehmen sich für die Zukunft aufstellen und ihre Innovationskraft behalten oder wieder erlangen können.

Weitere Links: Will Google’s Alpha Bet Pay Off?

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