Sind Silicon-Valley-Unternehmen nun „profitabel“ oder nicht?

Zu den großen Mysterien des Silicon Valley zählt für Deutsche die Profitabilität von Start-Ups und Unternehmen. „Wie machen die das nur, dass sie so viel Geld verlieren und immer noch nicht Pleite sind?“ und „Wir können es uns jedenfalls nicht leisten, immer nur Geld zu verlieren. “ und „Wir müssen kaufmännisch denken.“

Wie ist das jetzt also mit der Profitabilität im Silicon Valley? Stimmt das, dass die Welt hier anders ist und Unternehmen nicht gewinnorientiert arbeiten müssen?

Natürlich stimmt das nicht. Irgendwann muss jedes Unternehmen, das auf Dauer existieren will, Geld machen. Entweder macht man Geld indem Kunden für die Produkte und Dienstleistungen bezahlen, oder man macht Geld durch Werbeanzeigen. Aber nicht in jeder Phase, und das aus bestimmten Gründen.

Silicon Valley

Das Silicon Valley ist die Region in Kalifornien zwischen San Francisco und San Jose, mit einer Luftlinie von weniger als 100 Kilometern. Dort leben nicht nur 3,5 Millionen Menschen, sondern sind auch zu jedem Zeitpunkt geschätzte 60.000 Start-Ups tätig, davon 30.000 Technologiestart-Ups. Davon überleben die meisten nicht das erste Jahr, kein Wunder also, dass wir von denen nie etwas gehört haben. Das sind alles Start-Ups, die nie Risikokapital aufstellen konnten oder ausreichend Geld verdienten, um weiterzumachen. Weiterlesen Sind Silicon-Valley-Unternehmen nun „profitabel“ oder nicht?

Werbeanzeigen

Die Silicon-Valley-Maschine

Oft beschreibt man das Silicon Valley als diese mythische Gegend in und um San Franciscos mit dem irgendwie nicht erfassbaren Mindset, das solche Unternehmen wie Apple, Google, Facebook, Tesla oder Uber hervorgebracht hat. Und doch ist das etwas, was vielen Kopfzerbrechen bereitet. Manager und Executives die ins Silicon Valley pilgern um zu verstehen, was hier und vor allem wie es geschieht, bereitet das Beobachtete oftmals Verständnisschwierigkeiten. Sie versuchen aus ihrer Wirtschaftswelt Bekanntes mit dem im Silicon Valley erfahrenen zu vergleichen, und doch resultiert vor allem Verwunderung und Kopfschütteln daraus.

Silicon Valley

Betrachten wir das Silicon Valley als etwas Greifbares, dann ist es eine Maschine, die dazu erschaffen und optimiert worden ist, Unternehmen zu produzieren. Und nicht nur irgendwelche Unternehmen. Wir reden hier nicht von Unternehmen mit bekannten Geschäftszweigen, die in den üblichen Industrien mit den bekannten Technologien und Geschäftsmodellen operieren. Das können andere Regionen der Welt auch sehr gut, und ist etwas was sich viele Regierungen und Handels- bzw. Wirtschaftsorganisationen als Ziel auf die Fahnen geheftet haben, und es mit allen möglichen Mitteln fördern. Weiterlesen Die Silicon-Valley-Maschine

Zwischen physischer Qualität und digitaler Notwendigkeit

Einige Vorträge und Workshops brachten mich den ganzen Mai nach Europa. Dabei „musste“ ich auch nach Frankreich und Mallorca. Während ich üblicherweise die Bahn oder bei längeren Strecken das Flugzeug verwende, hatte ich dieses Mal auch gleich dreimal einen Leihwagen. Zweimal einen Nissan Qashquai SUV, einmal einen luxuriösen Renault Talisman. Nicht, dass ich mir die bewusst ausgewählt hatte, das waren die Fahrzeuge, die von der Verleihfirma angeboten wurden.

An beiden Fahrzeugtypen war qualitätsmäßig sicherlich nichts zu beanstanden, der Renault gab sogar das Gefühl eines Oberklassefahrzeug. Womit ich allerdings kämpfte, das war die digitale Qualität der Fahrzeuge. Beide hatten ihre eigenen Versionen des TomTom-Navigationssystems eingebaut, und keines davon war einfach bedienbar. Mehrmals während der Verleihdauer versuchte ich Adressen oder Sehenswürdigkeiten in den komplexen Eingabemasken einzugeben vergeblich. Entweder fand das System die Adresse nicht, oder listete die Sehenswürdigkeit – weil irrtümlich als Kathedrale und nicht als Basilika eingegeben – in einem anderen Land 200 Kilometer entfernt.

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Renault Navigationssystem

Am Ende jedes Versuchs, bei dem ich fünf Minuten und mehr vergeudete, zog ich Google Maps auf meinen iPhone heraus, und hatte mit fünf bis sechs Tastenberührungen die Adresse und fuhr los. Weiterlesen Zwischen physischer Qualität und digitaler Notwendigkeit

Eine schöne Frage fragen

Fragen zu stellen ist was Menschen von Primaten unterscheidet. Selbst bevor Kinder sprechen können, beginnen sie Fragen zu stellen. Die Art der Fragen ändert sich mit dem Alter. Anfänglich sind die Fragen in Form von „Was ist das?“, ändern sich dann zu „Wieso macht der Mann das?“ zu „Wie funktioniert das?“ und „Warum ist der Himmel blau?“, bis zu den Vorstellungen „Was wäre, wenn…?“ Tatsächlich stellen Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren 40.000 Fragen.

Nur sind nicht alle Fragen zugleich auch gute Fragen. „Warum wurde das bisher nicht gemacht?“, „Wer macht das?“, „Bis wann können wir damit rechnen?“, „Bin ich der Einzige, dem das Sorgen macht?“ sind Fragen, die nach Schuldigen suchen. Sie sind wie ein Kreuzverhör interogativ. Eine der dümmsten Varianten ist eine Frage der Art „Was ist unsere Version eines iPads?

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Zukünfterad und die Änderungen 1., 2. und 3. Ordnung [VIDEO]

Eine Technik die hilft die beabsichtigte und unbeabsichtigte Auswirkungen von neuen Produkten und Dienstleistungen darzustellen ist das Zukünfterad. In der Mitte befindet sich der Kreis mit dem zu betrachtenden Produkt. Die unmittelbar benachbarten Kreise stellen die gewünschten direkten Auswirkungen und Effekte meines Produktes oder meiner Dienstleistung dar. Wir nennen das die Änderungen 1. Ordnung.  Mit jedem neuen Produkt und jeder neuen Dienstleistung verstehen wir aber auch, dass wir weitere, entferntere Auswirkungen haben. Diese Auswirkungen sind vorhersehbar, wenn auch weniger klar und offensichtlich als die Änderungen 1. Ordnung. Wir nennen sie Änderungen 2. Ordnung. Und dann gibt Änderungen, die wir auch bei größter Phantasie uns nicht vorstellen können, und diese nennen wir Änderungen 3. Ordnung.

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Zukünfterad – Vorlage

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Future Benchmarking [VIDEO]

Was ist Future Benchmarking und warum ist es wichtig für Organisationen bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen? Man stelle sich vor, ein Mitbewerber bringt ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung auf den Markt und man will ein ebensolches Produkt einführen. Dazu analysiert das Produkt oder die Dienstleistung des Mitbewerbers, erstellt eine Spezifikation und einen Zeitplan. Berücksichtigt man dabei aber nicht, dass sich bis zur Einführung des eigenen Produkts das des Mitbewerbers ändern und verbessern wird, dann führt man ein Produkt ein, das sofort wieder dem des Mitbewerbers nachhinkt.

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Future Benchmarking

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Deutschland und KI: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Stelle dir vor, du willst ein Haus bauen und erzählst der Nachbarschaft und Freunden, welch tolles Dach du darauf aufsetzen wirst. Mit allem Pipapo, von Dachziegeln die zugleich Solarzellen beinhalten, von wärmeisolierten Dachfenstern, und Schnickschnack wie dem landesüblichen Glockentürmchen und der heute standardmäßigen Dachterrasse. Der Dachstuhl in deutscher Qualitätsarbeit, sturm- und witterungsfest und noch in Jahrhunderten solide stehend.

Der herbeigeholte Zimmermann und die Dachdecker, die die Arbeit ausführen sollten, schüttelten nur den Kopf. Was sie nämlich vorfanden waren eine halb ausgehobene Baugrube mit nur teilweise fertiggestelltem Fundament, ein paar unverputzte Mauern durch deren Fenster- und Türöffnungen noch fleißig der Wind blies. Die Fenster und Türen lehnten in der Nähe und sahen so aus, als ob sie schon einige Weile auf den Einbau gewartet hätten. Wie auch das Gras und Unkraut, das die Baustelle bedeckte von vielen Bauunterbrechungen zeugten.

Ganz zu schweigen von den Inneninstallationen, die es schlicht und einfach nicht gab, weil Badezimmer, Elektroinstallationen und Teppiche keinen Schutz vor der Witterung hätten. Unser Zimmermann und Dachdecker wären ja durchaus weiter gezogen und hätten Dächer an anderen Häusern aufgesetzt, doch der Zustand der ganzen Nachbarschaft war ähnlich. Weiterlesen Deutschland und KI: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die Zunge des Spechts ODER Die digitale Anti-Renaissance

An die siebentausend eng mit Notizen und Zeichnungen beschriebenen Seiten haben Leonardo da Vincis Nachlass überlebt. Es wird vermutet, dass das ein Viertel seines umfangreichen Schaffens darstellte, das alle damals bekannten Bereiche der Wissenschaft und Kunst umfasste. So groß war da Vincis Hunger nach Wissen gewesen, dass er sich immer wieder in neue Fragestellungen verzettelte, und nur wenige seiner Aufträge beenden konnte. Ein wahrer Renaissance-Mensch mit Tendenzen zum Prokrastinieren.

Die Renaissance war einerseits ein Interesse an den Lehren der klassischen Antike, andererseits aber auch das endgültige Loslösen davon und der Beginn der modernen Wissenschaften. Da Vinci war ein ganz wichtiger Vertreter, weil er stärker als alle vor ihm und seine Zeitgenossen Experimente durchführte. Als uneheliches Kind geboren genoß er nicht die Vorzüge eines Buchgelehrten. Die wichtigsten Bücher damals waren noch in Latein, was er nie gelehrt bekam, und der Buchdruck gerade erst erfunden worden und Bücher in der lokalen Sprache erst im Kommen.

Was ihm hier fehlte füllte er aber mit Neugier und Experimenten aus. Er konstruierte für viele seiner Fragestellungen Versuchsapparate um die Antworten zu finden. Unter anderem entwickelte er ein Glasherz, um zu sehen wie sich die Herzklappen öffnen und schließen. Etwas, das erst wieder in der Mitte des 20. Jahrhunderts gelingen sollte. Weiterlesen Die Zunge des Spechts ODER Die digitale Anti-Renaissance

Wie Geldkuriere Deutschland in die digitale Zukunft drängen und sich selbst dabei abschaffen

Mit Jahresbeginn streiken in Deutschland Mitarbeiter der Geld- und Wertbranche um höhere Löhne durchzusetzen. Laut der Gewerkschaft Ver.di beteiligen sich 3.000 der 11.000 bundesweiten Mitarbeiter, die Händler und Banken mit dem Transport von Bargeld versorgen. Angedroht werden Wirtschaftskatastrophen. Ohne Bargeld kein Handel, leer Geldautomaten und damit Wirtschaftsstillstand.

Bargeld hat in Europa und speziell in einigen Ländern einen nach wie vor hohen Stellenwert. Während ich in USA vielleicht einmal in zwei Wochen Bargeld abhebe, muss ich das in Europa alle paar Tage tun. Und nicht etwa, weil das Leben hier teurer, sondern weil viele Geschäfte nach wie vor nur Bargeld entgegennehmen.

Bargeldloser Zahlungsverkehr in anderen Ländern

Kai Fu Lee, ehemaliger Google China-Chef und Autor von AI Superpowers: China, Silicon Valley and the New World Order, zeichnet ein eindrückliches Bild vom modernen China, wo Bargeld bereits ein Ding der Vergangenheit ist. Dank mobilen Apps wie WeChat Wallet oder Alibabas Alipay bezahlen heute bereits eine halbe Milliarde Chinesen nur mehr mit ihrem Smartphone. Und das selbst kleinste Transaktionsbeträge von wenigen Cent bei Straßenverkäufern. Sogar Straßenmusiker haben keinen Klingelbeutel mehr, sondern halten einen QR-Code hoch, über den die Passanten bezahlen können. Weiterlesen Wie Geldkuriere Deutschland in die digitale Zukunft drängen und sich selbst dabei abschaffen

Kopernikanische Methode Oder Wie lange wird es Google noch geben?

Konnte man im Jahr 1969 vorhersagen, wie lange die Berliner Mauer noch stehen wird? Wir wissen, dass sie 1989 fiel und sie ist nun länger gefallen, als sie je stand. Aber diese Frage stellte sich der amerikanische Physiker John Richard Gott bei einem Berlinbesuch ein Jahr nach Niederschlagung des Prager Frühlings.

Da niemand vorhersagen konnte, wann die Berliner Mauer – wenn überhaupt – fallen würde, auch John Richard Gott nicht, postulierte Gott, dass das Kopernikanische Prinzip in Fällen anzuwenden sei, wo nichts bekannt ist. Das Kopernikanische Prinzip, benannt nach dem Astronomen Nikolaus Kopernikus aus dem 16. Jahrhundert, beschreibt, dass Menschen keine Sonderstellung im Kosmos haben.

Umgelegt auf die Berliner Mauer im Jahr 1969 bedeutete das, dass er die Berliner Mauer mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent zu einem Zeitpunkt sah, wo sie das erste Viertel ihrer Gesamtexistenz bereits hinter sich hatte. Das heißt, aus dem Alter von acht Jahren im Jahr 1969 würde sie mit 75-prozentigem Vertrauensintervall 1993 nicht mehr stehen. Die Rechnung würde somit vom Jahr der Errichtung 1961 8 mal 4 Quartale anhalten. Das wären 32 Jahre, somit 1993. Und er sollte recht behalten, die Mauer fiel vier Jahre vorher.

Diese Methode taufte er auf den Namen ‚Kopernikus Methode‘ und wandte sie zugleich an die Lebenserwartung der Menschheit an. Zwischen 5.100 und 7,8 Millionen Jahren sollten wir bei diesem ‚Doomsday-Argument‘ mit 95-prozentigem Vertrauensintervall noch als Spezies vor uns haben, also kein Grund, dass wir oder unsere Kinder in Panik geraten. Weiterlesen Kopernikanische Methode Oder Wie lange wird es Google noch geben?