Natürliche Dummheit

Hat man Schwierigkeiten, einen Begriff oder eine Situation zu definieren, dann kann die Betrachtung und Definition des Gegenteils hilfreich sein. In Workshops mit Unternehmen, die sich darüber Gedanken machen, wie sie sich für die Zukunft rüsten sollen, liefern folgende Fragen viele neue Denkansätze und Erkenntnisse: „Was wäre, wenn wir mit unserem wichtigsten Produkt kein Geld mehr verdienen würden?“ oder „Würde es auffallen, wenn es uns nicht mehr gäbe?“ oder „Wir würden wir unseren Kunden das Leben am schwersten machen?

Stellen wir uns also doch folgende Frage: Was ist das Gegenteil von Intelligenz?

Dummheit.

Schon Amos Tversky, der Kognitionswissenschaftler, Stanford-Professor und Forschungspartner von Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman war, witzelte: Weiterlesen Natürliche Dummheit

Alphatiere auf Safari?

Vor mehr als drei Jahren betiteltet Die Welt die Besuche deutscher Vorstandsetagen im Silicon Valley mit Alphatiere auf Safari. Die Manager ließen sich hier die Zukunft zeigen, man schmücke sich mit Namen wie Facebook, Apple und Google und eigentlich sei das Silicon Valley so etwas wie der „Ballermann der Tech-Szene“ geworden.

Und in gewisser Weise hat der Artikel ja recht mit seiner Kritik.  Nicht immer sind die Besuche effektiv oder können aus mehreren Gründen nicht wirklich in die Tiefe gehen. Sie geben aber zumindest immer einen gewissen Einblick, der vielleicht dazu beitragen kann, sich selbst besser für die Zukunft aufzustellen.

Ich selbst sehe generell jeden Besuch als etwas Positives. Es kostet Überwindung, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen und sich für ein paar Tage teilweise sehr provokanten Ideen und Aussagen auszusetzen, und beinahe schon mit teils neuen, teils unverständlichen Begriffen und Konzepten über- und gefordert zu werden. Weiterlesen Alphatiere auf Safari?

Treiber und Annahmen mit der STÖÖP-Methode identifizieren

Keine Sorge, es gibt keine Notwendigkeit, den Teesud zu lesen oder in die Kristallkugel zu schauen. Die Zukunft ist nämlich überraschend gut vorhersagbar. Wenn wir Signale und Trends identifizieren, die Bausteine heranziehen, und sie mit Treibern, Annahmen und Motivationsfaktoren kombinieren, dann können wir recht überzeugende und interessante Szenarien erstellen, die uns helfen, heute besser Entscheidungen zu treffen.

Eine dieser Methoden nennt sich STÖÖP, oder kurz für Soziale, Technologische, Ökonomische, Ökologische und Politische Treiber und Annahmen. Arbeitsgruppen in einer Foresight Strategie zählen sie auf und priorisieren sie. Die Reihenfolge basiert dabei auf zwei Kriterien: Weiterlesen Treiber und Annahmen mit der STÖÖP-Methode identifizieren

Von Intelligenzräumen und menschenähnlicher Intelligenz

Glaubt man dem gängigen Narrativ in den Medien, Hollywood-Filmen und der heutigen populärwissenschaftlichen Literatur, dann steht uns mit künstlicher Intelligenz (KI) die Apokalypse bevor. Der Terminator und die Superintelligenz werden uns bald vernichten oder zumindest versklaven. KI wird smarter sein als wir, und mit ihr werden wir unsere letzte Erfindung geschaffen haben.

Auf der einen Seite trauen wir Menschen uns zu, so klug zu sein, dass wir eine Superintelligenz schaffen können, gleichzeitig  sind wir aber so dämlich, dass wir sie nicht testen und ihr Einhalt gebieten können.

Nun, Superintelligenz wird etwas sein, was wir in unsere Lebenszeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht erleben werden. Und sie wird vermutlich ganz anders aussehen, als wir uns vorstellen können. Ein Fehlschluss ist bereits, dass wir solche Allgemeinen Generellen Intelligenz (AGI) immer mit menschlicher Intelligenz vergleichen und gleichsetzen. Dabei haben wir selbst schon mal Schwierigkeiten zu definieren, was denn Intelligenz überhaupt ist, und welche wir Menschen eigentlich haben. Ganz zu schweigen von der Intelligenz der Tierwelt.

Dabei haben wir Intelligenz über die Zeiträume immer anders definiert. Eine KI wird dann intelligent sein, wenn sie den Schachweltmeister besiegt. Tja, und sobald sie es schaffte mit Deep Blue gegen Garri Kasparow im Jahr 1997, definierten wir sie rasch um, den das „Brute Force“-Computing sahen wir nicht wirklich als intelligent an. Und die nächste Stufe – eine KI die einen Go-Weltmeister besiegen kann – war dann wiederum nur von Wahrscheinlichkeiten geprägte Algorithmen, also auch nicht wirklich was wir als Intelligenz verstehen wollen. Weiterlesen Von Intelligenzräumen und menschenähnlicher Intelligenz

Das Gorilla-Problem

Künstliche Intelligenz wird uns töten! Glaubt man der ungewöhnlichen Allianz von bekannten Wissenschaftlern, Philosophen und Unternehmensgründern, dann stellt künstliche Intelligenz die größte Gefahr für die Menschheit seit der Kernkraft dar. Stephen Hawking warnte noch vor seinem Tod vor den Gefahren. Nick Bostrom, Philosophieprofessor in Oxford und Autor des meinungsbildenden Werkes Superintelligenz bringt eine Reihe von Beispielen, anhand derer er die Gefahren künstlicher Intelligenz aufzeigt. Selbst Elon Musk, Chef von Tesla und SpaceX, ansonsten kein Feind von neuen Technologien, warnt eindringlich davor. Max Tegmark, Physiker, KI-Forscher und Mitgründer der Asilomar-Konferenz zu KI, zählt in seinem Buch Leben 3.0 eine Reihe von Szenarien auf, wie sich KI auf die Menschheit auswirken kann, und die überwiegende Zahl der Szenarien ist pessimistisch. Hier sind Tegmarks KI-Nachwirkungsszenarien:

  • Libertäres Utopia
  • Wohlwollender Diktator
  • Egalitäres Utopia
  • Torwächter
  • Schutzgott
  • Versklavter Gott
  • Eroberer
  • Nachkomme
  • Zoowärter
  • 1984
  • Rückfall
  • Selbstzerstörung

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Schnelles Gehen, Schnelles Denken

Schnell war ich schon immer. Beim Studium in weniger als der Mindeststudienzeit, beim Schreiben von Büchern, und beim Gehen. Was meine Mitspaziergänger immer aus der Puste bringt, schien mir normal. Langsames Gehen konnte ich nie ausstehen.

Je älter ich werde, desto bewusster versuche ich, mein Schritttempo zu halten. Ich will doch nicht alt erscheinen. Beim Stiegensteigen manifestiert sich das auf kuriose Art. Dort nehme ich aus Prinzip immer zwei Stufen auf einmal, um mir zu beweisen, dass ich noch nicht alt, sondern nach wie vor ein junger Hupfer bin. Wenn ich das einmal nicht mehr kann, dann sollte ich wohl gleich doch mit dem Badetuch meinen Platz am Grab reservieren. Weiterlesen Schnelles Gehen, Schnelles Denken

Sind Silicon-Valley-Unternehmen nun „profitabel“ oder nicht?

Zu den großen Mysterien des Silicon Valley zählt für Deutsche die Profitabilität von Start-Ups und Unternehmen. „Wie machen die das nur, dass sie so viel Geld verlieren und immer noch nicht Pleite sind?“ und „Wir können es uns jedenfalls nicht leisten, immer nur Geld zu verlieren. “ und „Wir müssen kaufmännisch denken.“

Wie ist das jetzt also mit der Profitabilität im Silicon Valley? Stimmt das, dass die Welt hier anders ist und Unternehmen nicht gewinnorientiert arbeiten müssen?

Natürlich stimmt das nicht. Irgendwann muss jedes Unternehmen, das auf Dauer existieren will, Geld machen. Entweder macht man Geld indem Kunden für die Produkte und Dienstleistungen bezahlen, oder man macht Geld durch Werbeanzeigen. Aber nicht in jeder Phase, und das aus bestimmten Gründen.

Silicon Valley

Das Silicon Valley ist die Region in Kalifornien zwischen San Francisco und San Jose, mit einer Luftlinie von weniger als 100 Kilometern. Dort leben nicht nur 3,5 Millionen Menschen, sondern sind auch zu jedem Zeitpunkt geschätzte 60.000 Start-Ups tätig, davon 30.000 Technologiestart-Ups. Davon überleben die meisten nicht das erste Jahr, kein Wunder also, dass wir von denen nie etwas gehört haben. Das sind alles Start-Ups, die nie Risikokapital aufstellen konnten oder ausreichend Geld verdienten, um weiterzumachen. Weiterlesen Sind Silicon-Valley-Unternehmen nun „profitabel“ oder nicht?

Die Silicon-Valley-Maschine

Oft beschreibt man das Silicon Valley als diese mythische Gegend in und um San Franciscos mit dem irgendwie nicht erfassbaren Mindset, das solche Unternehmen wie Apple, Google, Facebook, Tesla oder Uber hervorgebracht hat. Und doch ist das etwas, was vielen Kopfzerbrechen bereitet. Manager und Executives die ins Silicon Valley pilgern um zu verstehen, was hier und vor allem wie es geschieht, bereitet das Beobachtete oftmals Verständnisschwierigkeiten. Sie versuchen aus ihrer Wirtschaftswelt Bekanntes mit dem im Silicon Valley erfahrenen zu vergleichen, und doch resultiert vor allem Verwunderung und Kopfschütteln daraus.

Silicon Valley

Betrachten wir das Silicon Valley als etwas Greifbares, dann ist es eine Maschine, die dazu erschaffen und optimiert worden ist, Unternehmen zu produzieren. Und nicht nur irgendwelche Unternehmen. Wir reden hier nicht von Unternehmen mit bekannten Geschäftszweigen, die in den üblichen Industrien mit den bekannten Technologien und Geschäftsmodellen operieren. Das können andere Regionen der Welt auch sehr gut, und ist etwas was sich viele Regierungen und Handels- bzw. Wirtschaftsorganisationen als Ziel auf die Fahnen geheftet haben, und es mit allen möglichen Mitteln fördern. Weiterlesen Die Silicon-Valley-Maschine

Zwischen physischer Qualität und digitaler Notwendigkeit

Einige Vorträge und Workshops brachten mich den ganzen Mai nach Europa. Dabei „musste“ ich auch nach Frankreich und Mallorca. Während ich üblicherweise die Bahn oder bei längeren Strecken das Flugzeug verwende, hatte ich dieses Mal auch gleich dreimal einen Leihwagen. Zweimal einen Nissan Qashquai SUV, einmal einen luxuriösen Renault Talisman. Nicht, dass ich mir die bewusst ausgewählt hatte, das waren die Fahrzeuge, die von der Verleihfirma angeboten wurden.

An beiden Fahrzeugtypen war qualitätsmäßig sicherlich nichts zu beanstanden, der Renault gab sogar das Gefühl eines Oberklassefahrzeug. Womit ich allerdings kämpfte, das war die digitale Qualität der Fahrzeuge. Beide hatten ihre eigenen Versionen des TomTom-Navigationssystems eingebaut, und keines davon war einfach bedienbar. Mehrmals während der Verleihdauer versuchte ich Adressen oder Sehenswürdigkeiten in den komplexen Eingabemasken einzugeben vergeblich. Entweder fand das System die Adresse nicht, oder listete die Sehenswürdigkeit – weil irrtümlich als Kathedrale und nicht als Basilika eingegeben – in einem anderen Land 200 Kilometer entfernt.

Renault Navigation.png
Renault Navigationssystem

Am Ende jedes Versuchs, bei dem ich fünf Minuten und mehr vergeudete, zog ich Google Maps auf meinen iPhone heraus, und hatte mit fünf bis sechs Tastenberührungen die Adresse und fuhr los. Weiterlesen Zwischen physischer Qualität und digitaler Notwendigkeit

Eine schöne Frage fragen

Fragen zu stellen ist was Menschen von Primaten unterscheidet. Selbst bevor Kinder sprechen können, beginnen sie Fragen zu stellen. Die Art der Fragen ändert sich mit dem Alter. Anfänglich sind die Fragen in Form von „Was ist das?“, ändern sich dann zu „Wieso macht der Mann das?“ zu „Wie funktioniert das?“ und „Warum ist der Himmel blau?“, bis zu den Vorstellungen „Was wäre, wenn…?“ Tatsächlich stellen Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren 40.000 Fragen.

Nur sind nicht alle Fragen zugleich auch gute Fragen. „Warum wurde das bisher nicht gemacht?“, „Wer macht das?“, „Bis wann können wir damit rechnen?“, „Bin ich der Einzige, dem das Sorgen macht?“ sind Fragen, die nach Schuldigen suchen. Sie sind wie ein Kreuzverhör interogativ. Eine der dümmsten Varianten ist eine Frage der Art „Was ist unsere Version eines iPads?

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